Mittwoch, 17. April 2013

Arbeit, Arbeit

Nach ungefär der Hälfte meiner Zeit hier, hat sich bei mir auf der Arbeit einiges getan. Vorallem personell. Angefangen hat es schon ein wenig früher. Ronnie, der DJ und zweite Fahrer unserer Organisation wohnt jetzt in einem der bisher ungenutzten Räume. Ich find das eigentlich ziemlich cool, weil er den Raum direkt hinter meinem neuen, eigenen (!) Office hat. Auch hier trennt uns nur eine Wand, Decken besitzen beide Räume nicht. Deshalb werde ich jetzt immer von ihm während meiner Arbeitszeit beschallt. Das ist ziemlich witzig und stört eigentlich gar nicht.
Leider ist unser Nachtwächter vor ein paar Wochen bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Bisher kam er immer abends und hat dann auf alles aufgepasst, jetzt ist seine Frau mit Tochter ebenfalls in einen der Räume hier eingezogen. Vermutlich wird dieser Umstand aber nicht von Dauer sein. Sie hat nichts mit irgendwem abgesprochen, sodass sie vermutlich sobald John davon Wind bekommt rausgeschmissen wird. Meine Mitarbeiter haben das alle zur Kenntniss genommen aber keiner traut sich etwas zu sagen, zumal es die meisten auch nicht wirklich interessiert.
Ich bin zwiegespalten, einfach hier einziehen ohne John irgendwas zu sagen und nebenbei dann auch regelmäßig Leute hierhin einzuladen, wirkt nicht gerade seriös, aber ist das Leben jetzt auch noch ohne Mann natürlich ziemlich hart. Es hört sich ziemlich hart an, aber da sie nicht mal gefragt hat werde ich mich da glaube ich auch nicht einmischen. Zumal sie definitiv ein Haus mit ein wenig Land besitzt, dass hat mir ihr Mann erzählt. Es ist also nicht so, dass John sie auf die Straße ohne alles setzen würde. Den Grund warum sie hier eingezogen ist kann ich eh nicht wirklich nachvollziehen. Ich berichte wie es mit ihr weitergeht.
Die für mich bedeutenste Veränderung ist jedoch der Chefwechsel. Anita, meine alte Office-Chefin hatte keine Lust mehr und arbeitet jetzt wieder in Kampala. Nun ist Lydia zu uns gestoßen. Ich kannte sie vorher nicht, aber sie hat mit Abdul ihren Abschluss an der Uni gemacht. Sie ist jung und mir wesentlich sympathischer als Anita. Mit ihr habe ich jetzt auch eine persönliche Verbindung. Leider war dieser Wechsel nicht nur mit positiven Folgen verknüpft. Unser anderen beiden weiblichen Mitarbeiter, Betty und Miva, haben wohl beide damit gerechnet selbst in diese Position zu kommen. Miva wurde wohl anfangs auch darauf angesprochen ob sie sich diesen Job zutrauen würde. So waren die ersten Wochen seit dem Wechsel von eisiger Kälte (stimmungstechnisch) begleitet. Abdul haben uns aus dem Zickenkrieg natürlich rausgehalten. Inzwischen normalisiert sich die Stimmung. Betty, das VAD-Urgestein, anfangs fand ich sie faul, weil sie immer verspätet kommt und früh geht, hat sich wohl schnell damit abgefunden. So kann sie weiterhin ihre zeitliche Abwesenheit beibehalten. Nebenbei komme ich mit ihr aber inzwischen auch super zurecht. Sie nimmt die Arbeit nicht so ernst und ist sowas wie die gute Mami. Wenn Betty kommt, hält Gute Laune Einzug ins Office. Miva ist da ein ganz anderer Typ. Sie ist pünktlich bleibt auch mal länger und ist sehr pflichtbewusst. Eine klassische Karrierefrau die an ihren Nicht-Aufstieg immernoch knabbert. Schlußendlich hat es vermutlich daran gelegen, dass sie einen schlechteren Abschluss hat als Lydia oder Abdul zum Beispiel. Sie hat nur zwei Jahre studiert und dann einen Abschluss gemacht. Jap das geht hier. Lydia und Abdul haben drei Jahre studiert. Achja Abdul Ambitionen sind bisher eher karg. Er will vorerst gar nicht Office-Chef werden, er wünscht sich einfach nur regelmäßig seine Bezahlung zu erhalten. Er plant in ein paar Jahren eh sein Geld mit einem eigenen Business zu verdienen.
Die letzte Änderung kam in der Form einer britsichen Freiwilligen. Hope, das ist ihr Name, verweilt gute drei Monate in Uganda, soll aber vorallem fürs Fundraising zuständig sein. Deshalb hat sie sich anfangs unsere Arbeit hier in Buwama angeschaut und arbeitet jetzt größtenteils in Kampala. Manchmal kommt sie und besucht uns wenn sie Informationen oder Bilder braucht.
Es war ganz schön eine kurze Zeit mit einer Person die einen ähnlichen Kulturhintergund hat, zu arbeiten und zusammen zu leben. Doch bin ich froh, dass ich jetzt wieder für mich bin. Ich komme damit einfach nicht mehr so zurecht andauernd Aktivitäten mit Leuten teilen zu müssen. Kochen, Essen, Waschen und Einkaufen, das mache ich lieber alleine. Von daher war es für die kurze Zeit echt schön, dennoch bin ich froh, dass sie dauerhaft in Kampala wohnt und arbeitet.
Inzwischen hat sich alles eingependelt, alle Neuerungen sind verdaut und der Alltag hat wieder Einzug gehalten, vorerst.
Der Plan für meine verbleibenden vier Monate ist gefüllt.
Diesen Monat soll noch Mitgründer und Nordpartner unserer Orga kommen, Frau Schumer. Ebenfalls eine Deutsche. Ich bin gespannt, ob sie denn wirklich hier irgendwann auftaucht, anfangs hieß es sie käme im Februar...
Im Mai geht es für mich dann nochmal auf Reise. Christoph hat sich angekündigt, mit ihm steht unter anderem ein Trip nach Ruanda an. Darauf freue ich mich schon sehr.
Im Juni heißt es Vorbereitungen für das Eintreffen der circa 15 Menschen großen Gruppe aus der Schweiz zu treffen. Diese kommen von einem anderen unserer Nordpartner, Novelle Planet.
Diese wollen eine Klassentrakt und einen Wassertank für eine Schule, sowie einen Brunnen für die Community sponsorn und bauen. Damit diese in den vier Wochen die sie im Juli hier sind ihr ganzes Vorhaben schaffen, müssen wir Vorbereitungen treffen, Material beschaffen, Engineers herschaffen und uns mit Schule und Community absprechen.
Nebenbei gibt es natürlich immer wieder Solar-Installations und Einzelspenden für einen Wassertank, sodass wir auch zwischendurch ganz gut zu tun haben.
Und im August geht dann ja schon mein Flieger zurück nach Deutschland.
Schon jetzt habe ich das Gefühl die Zeit rennt, ich hoffe, dass wir die verbleibenden Aufgaben meistern und ich mit dem Gefühl etwas geschafft zu haben nach Hause fliegen kann.
Also, auf bald!

Freitag, 5. April 2013

Party, Party

Nun ist es schon wieder eine Weile her, dennoch möchte ich euch noch von der Graduation-Party von Abdul, meinem Arbeitskollegen und Kumpel erzählen. Schon früh (circa zwei Wochen vor der Party), erhielt ich per SMS die Einladung, durchaus ungewöhnlich, sonst erfahre ich sowas am Tag davor von irgendwelchen Partys. Wie dem auch sei, am 3.3.2013 sollte ab 12 Uhr im „Teak Country Gardens“ die Party steigen. „Teak“ (wie es alle Buwamer nennen), ist die größte und eigentlich auch einzige vernünftige Bar im Ort. Der große Compound, mit wirklich einem vergleichsweise schönen Garten, war der perfekte Ort für diese Party.
Als ich dann um halb drei ankam gehörte ich immernoch zu den ersten und das übliche warten war natürlich vorprogrammiert. Das ist typisch für solche Partys, gerne auch „Functions“ genannt.
Die Gäste sitzen auf den vielen Plastikstühlen unter den aufgestellten Zelten und warten das was passiert. In der Zeit beschallt der DJ die Menge mit Musik oder der „Master of Ceremony“ hält reden oder gibt Witze zum besten. Nach einer Stunde kam dann Abdul mit befreundeten Jung-Akademikern um die Zeremony zu eröffnen. Natürlich die ganze Familie ebenfalls im Anhang.
Die Hauptpersonen haben natürlich ihren eigenen Tisch und einen unbegrenzten Vorrat an Sodas, während die Gäste immer erst auf das Buffet warten müssen.
Mit viel Rambazamba, wurde dann die Party eröffnet, mit dem zerschneiden eines Bandes unter einem Durchgang durch den dann die Hauptpersonen die „Bühne“ betraten.
Die Party war gut besucht, über 100 Gäste sind keine Seltenheit bei solchen Partys, daher dauernd diese dann meist auch ziemlich lange.
Weil die wichtigsten Gäste halten dann Reden, nebenbei muss man sagen, dass Ugander sich unglaublich gerne reden hören. So wechseln sich dann gute zwei Stunden die Redner ab. Inhalt jeder Rede ist natürlich das Gratulieren zum Bestehen, dem Danken der Mutter fürs Großziehen des Sohnes und meist irgendwelche Anektoten des Feiernden, achja und gerne wird erzählt wer man ist was man macht und nebenbei natürlich viel Werbung für die eigene Sache.
Anschließend wurde das Buffet eröffnet. Ein Highlight, das Essen war unheimlich gut. Nebenbei genieße ich es auf solchen Partys mit den Fingern zu essen. Das mache ich ab und zu sehr gerne, fühlt sich an wie Kindheit. Während die Ugander es als normal empfinden, fühle ich mich als würde ich mich über ein Verbot hinwegsetzen :)
Anschließend hielten die Freunde die mit Abdul ihren Abschluss gemacht haben Reden. Diese sind meist etwas persönlicher und witziger. Meist geht es um das gemeinsame Leben auf dem Campus, die alltäglichen Schwierigkeiten und auch die ein oder andere peinliche Geschichte.
Achja nebenbei tauchte dann auch mein Chef John Bosco auf. Der wird hier in Buwama und Umgebung als Star gefeiert, ist auf jeder Party eingeladen, hat immer einen Ehrenplatz auch wenn er nicht kommt und hält sich an keine zeitlichen Angaben. Trotzdem ist es die größte Ehre wenn er persönlich an deiner Party teilnimmt. Für ihn wurde dann kurzfrisitg auch ein Zeitfenster für seine Rede freigemacht. Dort stellte er dann alle Mitarbeiter von VAD nochmal vor, einschließlich meine neue Chefin und die neue britische Freiwillige. In einem späteren Blog mehr zu der Neubesetzung.
Anschließend wurde ich genötigt auch noch ein paar Worte zu sagen. Das ist mir immer sehr unangenehm, mein Luganda ist und wird in meiner Zeit hier auch nicht mehr gut genug werden um aus dem Stegreif eine Rede zu halten. Auf Englisch finde ich es irgendwie immer doof.
Jetzt trickse ich. Ich werde mir ne nichtssagende Rede von Abdul übersetzen lassen und dann mehr oder weniger ablesen. Ist ziemlich doof, aber es ist unglaublich wie sehr sich die Leute freuen wenn man Luganda spricht, da ist es ihnen egal ob es abgelesen ist und ob der Inhalt nun weltbewegend ist oder nicht.
Inzwischen ist sieben Uhr, ein weiteres Highlight stand an. Der Kuchen wird angeschnitten.
Auf nahezu jeder Party gibt es einen Kuchen, der wird feierlich angeschnitten und dann unter den vielen Menschen aufgeteilt, ihr könnt euch vorstellen, dass jeder nur einen kleinen Happen bekommt. Trotzdem der Kuchen ist meist echt lecker, ziemlich süß, aber ausnahmsweise echt gut süß.
Anschließend geht dann das Geschenke überreichen los. Das ist eigentlich ziemlich cool. Der DJ lässt Tanzmusik laufen und alle stellen sich in eine Schlange tanzen sich in den Flow wenn man das Geschenk dann übergibt tanzt man erst mit dem Beschenkten um seine Aufregung und Freue Ausdruck zu verleihen. Wie vielleicht der ein oder andere weiß gehöre ich nicht gerade zu den Profi-Tänzern und versuche es meist auch nur relativ schnell hinter mich zu bringen, trotzdem gefällt mir dieser Brauch unglaublich gut. Es ist irgendwie schön zu zeigen, dass man sich freut und dem Geben mehr Bedeutung als dem Geschenk zukommen lässt. So dauert es aber natürlich auch ziemlich lange.
Zum Schluss tritt der Gastgeber dann in die Hauptrolle. Er bedankt sich ausschweifend in einer Art Rollenspiel bei der Mutter. Kniend wird die Robe und der witzige Hut der Mutter aufgesetzt.
Das ganze zieht sich und ist durchaus amüsant aber nicht gerade spektakulär.
Anschließend ist der offizielle Teil dann vorbei, sodass ich mich meiner Lieblingsbeschäftigung im Teak hingeben konnte. Dem Pool spielen. Die meisten anderen Gäste nahmen die Tanzfläche ein.
So eine Party geht dann trotz des morgigen Arbeitstages gerne bis in die frühen Morgenstunden ich selbst war um halb 1 dann im Bett. Nebenbei, am nächsten Tag war ich nicht der einzige der ziemlich gerädert im Office aufgetaucht ist, übrigens waren wir alle deutlich zu spät. Aber Pscht;)


Unterhalb dieses Posts könnt ihr nun zahlreiche Bilder bestaunen. Entschuldigt für die Unordnung, aber ich war froh sie überhaupt nach wochenlanger Arbeit hochgeladen zu haben und gepostet zu bekommen, bedankt euch bei Jan, dass ich nicht resigniert habe. Sind übrigens noch nicht alle, aber ich dachte die müssten erstmal reichen. Also, enjoy!

Bilderflut Nr. 2



Baumwolle

Sonnenaufgang im Queen Elizabeth National Park

König der Löwen :)

Uganda Cranes, das Nationaltier der Ugander, auf Deutsch: Kronenkranich

Take care!

It's me the gorilla!

Strong like an elephant



Aus dem Weg



Nur für Bene! :)

Für Yannic;)


Bilderflut Nr. 1

Besuch kommt und der Vorratsschrank fühlt sich mit leckeren Dingen:)

Zum xten Mal am Äquator gewesen, heutigen Gäste: Meine Eltern, Abdul (links), Ronnie (rechts)

Gaddafi-Mosque in Kampala, ja das in der Mitte ist meine Mama:)

Vom Minarett der Moschee, Kampala ala Vogelperspektive

Guten Appetitt, Schimpansen-Tracking

Ich wusste ja, das man Schimpansen aufgrund ihrer unterschiedlichen Gesichtern unterscheiden kann, es selbst zu erleben war aber einfach nur großartig

Vanille-Schoten, die landen nacher im Ben & Jerrys Eis;)

Donnerstag, 28. März 2013

Das Zwischenseminar

Nach meiner Rundreise ging es für mich direkt im Anschluss zum Zwischenseminar nach Lweza.
Lweza ist eine Vorort Kampalas, auf der Entebbe Road. Unsere Zeit verbrachten wir hier größtenteils im „Lweza Conference and Training Center“, einer Einrichtung die von der ugandischen Kirche betrieben wird. Daher herrschte Alkohlverbot und eingeschränkte Raucherlaubnis. Nicht die besten Vorraussetzungen für das Seminar.
In den Wochen davor wurde auch schon wieder viel gemeckert und gemosert unter anderem auch viel von mir. Alle freuten sich natürlich die Gruppe mal wieder auf einem Haufen zu haben und alle zu sehen, auf der Programm freuten sich eher wenige. Aber tolerant und offen wie wir nun inzwischen alle sind „hust“ reisten wir unbelastet und offen für alles beim Seminar an.
Die folgenden fünf Tagen folgten natürlich einer Struktur, Berichten über die momentane Lage, Probleme herausstellen und anschließend Lösungen finden. Das Programm des Seminars war insgesamt zwar abwechslungsreich gestaltet und mit viel Mitarbeit der Teilnehmer gespickt, dennoch muss ich gestehen, fand ich es eher langweilig. Wirklich Diskussionen kamen nicht auf, entweder weil sie wüst, aufgrund der vorangeschrittenen Zeit, unterbrochen wurden oder weil keiner so richtig in Diskussionsstimmung kam. Zumal wir einfach zu viele Teilnehmer waren. Bis 19 Leute ihre Situation geschildert haben dauert es nunmal eine Zeit lang, zumal eine den Begriff Blitzlicht für sich neu definieren sollten.
Dennoch hat sich das Seminar gelohnt.
Zum einen war das Essen echt große Klasse. Morgens und Mittags gabs Buffet, abends organisierte sich jeder sein Essen selbst. Ach, hätte ich fast vergessen, an einem Abend gingen wir in ein mehr als edles Hotel, durchaus interessant, aber unverständlich wo doch sonst immer geklagt wird das zu wenig Geld da sei und dann auf Kosten von artefact in so nem Schuppen essen?! Zumal die Getränke auf Kappe der Freiwilligen ging.
Aber natürlich war das Essen nicht der Hauptgrund, die Gespräche ausserhalb des Programms, in kleineren Gruppen waren mehr als interessant und vorallem voranbringend. Neue Denkansätze, Vorgehensweisen, Strategien und Meinungen wurden ausgetauscht, meist bei Bier und Soda.
So konnte ich vorallem in der gemütlichen abendlichen Atmosphäre etwas aus diesem Seminar mitnehmen.
Als Abschluss stand am Freitag dann noch ein Besuch einer „Eco Tourism Site“ an. Dort machten wir eine Sumpftour auf der Suche nach dem Schuhschnabelstorch. Leider ohne Erfolg, dafür mit reichlich Sonnenbrand beendeten wir den Tag bei local food.
So ging dann auch unser Zwischenseminar zu Ende, doch sollten/durften Marian, Caro, Emil und Ich auch noch beim anschließenden Seminar mit den NGOs einen kleinen Beitrag vorbereiten und so das Seminar mitgestalten. Unsere Aufgabe war in dem Fall das näherbringen der deutschen Spielkultur. Ich selbst bin da irgendwie mehr reingerutscht, zählen Spiele doch im Normalfall nicht so zu meinem Spezialgebiet. Der Hintergrund sollte ein Einblick in unsere Kultur sein und ob man nicht eventuell solche Spiele als „Energizer“ im Office verwenden könnte. Insgesamt behaupte ich war es eine gelungene Aktion. Es wurde auf der „Slackline“ (eine Zurrgurt, wie er auch bei LKWs verwendet wird, wird zwischen zwei Bäumen gespannt) balanciert, beim Wikingerschach (vom Aufbau her ähnlich wie Flunkyball, wen es interessiert, Google ist dein Freund;)) und ein Kommunikations- bzw. Teamspiel das wir „Flying Stick“ tauften. Natürlich gab es auch einen Theorieteil, sodass wir auch von unseren bisherigen Erfahrungen (ich hab in dem Fall von meiner Trainertätigkeit gepsorchen) berichten konnten.
Das schöne für mich war, das nach langem Hin und Her dann doch Abdul, mein Arbeitskollege und bester Kumpel beim Seminar mitmachen durfte. Es gab mir die Möglichkeit einen Einblick zu bekommen wie er mich, meine Arbeit, mein Verhalten und meine Beziehung zu ihm sieht. Auch wenn durch unsere Freundschaft vermutlich nicht objektiv fand ich es doch sehr aufschlussreich.
Nach all dem vielen Reisen, Seminar freute ich mich nach circa 5 Wochen endlich wieder in meinem Zimmer, in meinem Bett einschlafen zu können.

Freitag, 22. März 2013

Besuch der Elternschaft

Nun liegt der Besuch meiner Eltern schon eine Weile zurück, doch für euch möchte ich mich nochmal erinnern;) Eigentlich sollten ja meine Eltern diesen Blogartikel schreiben, weil die beiden vermutlich näher an euren Interessen dran sind, als ich. Für mich sind die meisten Dinge ja inzwischen normal und ich weiß gar nicht mehr so genau, was für euch überhaupt interessant ist. Aber da es mein Blog ist, werde ich euch ein Einblick in meine Empfindungen dieses Besuchs, dieser Reise, geben.
Nachdem Max mich Freitags verlassen hatte, verweilte ich noch bis Sonntag in Entebbe.
Sonntag, nämlich an meinem Geburtstag sollte ich ein besonderes Geschenk empfangen, nämlich meine Eltern, um 4:20 am Flughafen. Mir wäre es auch recht gewesen, dieses Geschenk ein wenig später am Tage zu empfangen, aber man kann ja bekanntlich nicht alles haben.
Die erste Woche verbrachten wir in Buwama bzw. Kampala. In Buwama wurden die wenigen interessanten Dinge abgeklappert und viel geredet. Auch wenn meine Eltern sehr gerne mal durchaus anstrengend sein können, war es doch ganz angenehm. Die Beziehung zu meinen Eltern ist logischerweise nochmal eine andere als zu Max, daher fielen auch die Themen anders aus.
Sodass es für mich nicht nur langweilig wurde, wenn ich nun zum zweiten Mal die Hintergründe und sonstige Informationen über Land und Leute erzählen durfte/musste.
Ich glaube Buwama hat meine Eltern schon ein wenig geschockt. Meine Bude ist wohl doch etwas gewöhnungsbedürftig und auch Buwama generell ist nicht gerade der Ort an dem das Leben pulsiert. Trotzdem glaube ich war auch Buwama ein kleines Highlight des Besuches meiner Eltern, hier haben sie am meisten Kontakt zu Einheimischen Personen gehabt, von Nathan unserm Guide mal abgesehen, haben die vermutlich authentischste Situation erlebt und ist natürlich schon ganz interessant wo der Sohnemann sich so rumtreibt würde ich behaupten.
Für Kampala hatte ich ein Hotel organisiert, meine Eltern waren ziemlich skeptisch über den Komfort und die Ausstattung dieses Hotels, was vor der Reise schon zu Reibungen führte. Dieses Hotel war im Reiseführer unter der Kategorie D aufgelistet. Das muss man sich mal vorstellen, Kategorie D, also die vierte Kategorie. Ich weiß nicht was die beiden erwartet haben, aber komischerweise waren sie dann anscheinend doch zufrieden bzw. konnten sich mit den Umständen arrangieren... Für mich war es wohl die angenehmste Unterbringung auf der Reise, hatte ich dort doch mein eigenes Zimmer:P
Kampala in 2-3 Tagen ist eigentlich kein Problem, wirklich unglaublich schön, interessant oder sehenswert ist Kampala nunmal einfach nicht. Bahai Tempel, Gaddafi Mosque, Spaziergang durch die Stadt und man hat eigentlich schon alles gesehen. Zufälligerweise war in diesen Tagen auch die 30-jährige-Bestehens-Feier von JEEP, einer NGO bei der eine andere Freiwillige arbeitet. So kam es das meine Eltern in den typischen Genuss einer sogenannten „Function“ hier in Uganda kamen. Die Gäste setzen sich auf die unzähligen Plastikstühle unter einem Zeltdach, meist sind diese kreisförmig angeordnet, in der Mitte findet das Geschehen statt. Mit Geschehen sind im Normalfall die unzähligen Reden von wichtigen und weniger wichtigen Menschen die irgendwie in Zusammenhang mit den Feiernden stehen gemeint. Solche „Functions“ dauern gerne auch mal den ganzen Tag. Darauf komm ich demnächst nochmal zurück, Abdul hatte vor zwei Wochen seine Graduation-Party;) Einzige Ausnahme bei dieser „Function“ waren die Tänzer und Tänzerinnen, das ist eher selten, war durchaus interessant aber nicht gerade spektakulär. Irgendwann haben wir die Feier dann Feier sein lassen und ich habe meinen Eltern JEEP, deren Gelände und deren Arbeit gezeigt. Allein das 30-jährige Bestehen solch einer NGO ist durchaus ein Erfolg und JEEP leistet vergleichsweise gute Arbeit und hat schon einige Menschen erreicht und deren Lebensumstände verbesser, kurze Info, JEEP ist vorallem im Solarbereich und bei Energy-Savings-Stove aktiv.
Hier der Link für interessiert:
Vergleicht man die Arbeit mit europäischen/westlichen Standards bewertet man die Effizienz eventuell anders, so wie mein Vater zum Beispiel, dennoch möchte ich kurz darauf hinweisen, andere Länder andere Sitten, was bei uns selbstverständlich ist, wie zum Beispiel die termingerechte Lieferung von Waren ist hier teilweise ein großes Problem, dadruch leidet natürlich die Arbeitsgeschwindigkeit. Wenn man etwas bewerten möchte sollte man Maßstäbe nehmen die der herrschenden Realität entsprechen, von daher bin ich von JEEP überzeugt. Es geht natürlich besser, aber es geht auch weitaus schlimmer. Meiner Mutter ist zum Beispiel aufgefallen, dass es bei JEEP durchaus etwas organisierter und durchdachter zugeht als bei VAD. Gut gemacht;)
Die zweite Woche stand dann ganz im Zeichen des Touris. Eine vorab georderte Rundreise war geplant. So durften wir in einem dieser Safari-Touri-Büsse steigen, die ich von Buwama aus immer belächelt habe wenn sie vorbeifuhren. Immer mit dem Gedanken im Kopf, die haben keinen Plan wer oder was Uganda eigentlich ist. Fahren hier mal kurz durch gucken sich die Gorillas und sonstige NP an und fliegen wieder nach Hause. Und jetzt war ich so einer. Ganz komisches Gefühl!
Zum Tourismus werde ich noch ne Kritik schreiben und entweder rundmailen oder hier veröffentlichen.
Erstes Ziel war der Kibale NP. Der National Park mit einer der höchsten Primatendichten weltweit, auf dem Programm stand das sogenannte Schimpansen Tracking. Hierbei darf man mit einem Führer für circa eine Stunde Teil der habituierten Schimpansengruppen werden. So kommt es vor, dass man gerade mal ein paar Meter entfernt neben einem Schimpansen sitzt, der sich fröhlich in der Nase popelt oder gerade einen Snack zu sich nimmt.
Ich konnte erstmal direkt feststellen wie unterschiedlich die Gesichtszüge der Schimpansen sind.
Ziemlich komsich wenn man feststellt wie ähnlich sie uns doch sind. Daher für mich eigentlich das Highlight der Rundreise.
Anschließend ging es weiter in den Queen Elizabeth NP. Dort konnten wir natürlich unzählige Tiere beobachten und hatten wir doch mehr Glück als Max und Ich und bekamen sogar drei Löwen zu Gesicht. Es bleibt dabei, vielleicht kommts durch den ähnlichen Namen vielleicht auch nur durch die geile Mähne der männlichen Tiere. Löwen gehören zu meinen absoluten Lieblingstieren.
Im Nachhinein bin ich froh, dass Max und ich nicht in folgende Situation geraten sind. Wir passierten eine ziemlich große Elefantenherde, die sich über 1-2 Kilometer der Sandpiste verteilt hatte. Nahezu der letzte Elefant dieser Gruppe stand mitten auf der Straße. Ein halbstarkes Männchen. Noch nicht komplett erwachsen, aber durchaus eine beträchtliche Größe und bestimmt das ein oder andere Kilo auf den Rippen. Nun schien es testen zu wollen wie weit es mit uns, in dem Falle dem Auto gehen konnte. Und stellte sich drohend auf die Straße. Unser erfahrene Guide Nathan, schien solche Aktionen schon erlebt zu haben. Mit immer wieder aufheulenden Motor und leichtem anfahren schaffte er es nach ein paar Minuten den Elefanten doch zu verschrecken und von der Straße zu treiben. Problematisch wäre es geworden, wenn der Elefant uns als Gefahr anerkannt hätte, die man bekämpfen muss. So meinte Nathan wären wir schnell Spielball der gesamten (!) Herde geworden. Ob Max und Ich, wir sind auf eigene Faust, also selbst gefahren, so ne Aktion gefahrlos überstanden hätten weiß ich nicht.
Nach dem Adrenalinstoß ging es für uns zur Bootsfahrt über den Kazinga-Channel der Lake Alberta und Lake Edward im NP verbindet. Von dort aus konnten wir tolle Schnapschüsse der faulenzenden Hippos, der trinken Elefanten, sich abkühlenden Büffeln und tausend anderen Tieren schießen.
Der Tag endete mit vielen tollen Bildern im Kopf und auf der Kamera abends in der Lodge bei nem Bier.
Darauf folgend stand, laut Reiseführer, das absolute Highlight unserer Reise an. Das Gorilla Tracking. Daher ging es bis zur ruandsichen Grenze in den Mahinga-Forest, der sich an einem der drei begrenzend Vulkanen nach Ruanda entlangstreckt. Die Reiseführung warnte vor acht stündiger Wanderung. Die Gorillas schienen uns jedoch zu verschonen. Nach einer Stunde erreichten wir die wohl dem Menschen ähnlichsten lebenden Kreaturen auf dieser Erde. Der einstündige Aufenthalt in der habituierten Gruppe war definitiv atemberaubend. Das erste was mir auffiel, war das Gorillas erstaunlich groß sind, ich hab schon oft gelesen wie schwer sie sind und das der Mensch sich besser keine einfängt von nem tobenden Gorilla, aber live in der Größe ist das nochmal was anderes.
Das zweite was mir auffiel, sie ähneln definitiv dem Menschen, nahezu alle Silberrücken hatten ne ordentlich Plauze!
Während die älteren Tiere sich nahezu gar nicht für uns interessierte, schien wieder mal ein halbstarkes Jungtier Grenzen austesten zu wollen. So kam es bis auf armlänge an unsere Gruppe ran brüllte ein bisschen und wedelte mit den in Reichweite befindlichen Pflanzen. Als es merkte, dass keiner von uns sich beeindruckt zeigt, floh es zurück an Muttis Seite. Die resltiche Gruppe, schien kein Interesse an dem Vorgang zu haben.
Das Leben eines Gorillas ist definitiv erstrebenswert. Tagtäglich fressen, schlafen, dösen, fressen und abends ein Nest bauen. Klingt durchaus verlockend. Da nimmt man es auch hin, den dämlichen Menschen eine Stunde Aufenthalt zu genehmigen.
Insgesamt kann man durchaus vom Highlight der Reise sprechen, doch ist der Preis natürlich immens hoch und finde ich müsste man um diese Tiere wirklich zu erleben Tage oder Wochen mit ihnen im Regenwald verbringen. Erst dann könnte man glaube ich wirklich in die Gruppe eintauchen. Auf Angst vor Verhaltensänderung ist täglich aber maximal eine Stunde mit einer Gruppe von 8 Menschen pro habituierte Gruppe erlaubt.
Verständlich und auch richtig, trotzdem träumen kann man ja mal.
Diese Erlebnisse gehören natürlich verarbeitet als durften wir einen Tag auf einer Insel im Lake Bunyoni ausspannen. Der vermutlich schönste See in Uganda gilt als Bilharziose frei, sodass ich und Papa die Möglichkeit nutzten auch bei mäßigem Wetter das kühle Nass zu geniessen.
Der letzte Tag sollte dann nochmal in einem NP verbracht werden, dem Lake Mburo NP. Hier durften wir eine geführte Pirschwanderung mitmachen, diesmal ohne Auto spaziert/wandert man durch die dort herrschende Baumsavanne. Ein ganz anderes Gefühl als wenn man im Auto sitzt.
Anschließend hieß es noch von der Südhalbkugel zurück auf die Nordhalbkugel um dann in Kampala eine Nacht zu verbringen und eine weitere Woche, diesmal selbst organisiert, mit Nathan und seinem Auto rumzureisen.
War in der ersten Woche vorallem der Westen und Süden an der Reihe, solltes in der zweiten bzw. dritten Woche seit Ankunft meiner Eltern erst in den Nordwesten zum Murchison NP gehen, anschließend ganz rüber in den Osten zu den Sipi Falls um dann noch einen kurzen Zwischenstop in Jinja zu machen, bevor meine Eltern den entspanntesten Teil ihrer Reise auf Sansibar verbringen durften und ich mit einer ähnlich angenhmen Aktivität, nämlich dem Zwischenseminar (Ironieschild hoch!) die letzten Tage des Februars verbringen durfte.
Der Murchison Falls National Park, ist der steigende NP was die Beliebtheit angeht, noch vermutlich vom Queens auf den zweiten Platz verbannt, vermutlich wegen der Lage, wird er in den kommenden Jahren vermutlich zur Nummer 1 aufsteigen. Im Murchisons gibt es zu den bisher gesehen noch andere Tiere wie zB. Die Giraffe oder die Jacksons-sonstwas-Gazelle (ziemlich hässlich wenn man mich fragt). Der Leopard blieb uns leider aber auch in diesem NP fern. Der Park heißt nicht umsonst Murchison Falls, die nach dem Chef/Freund (oder sonstwie in einer Beziehung stehenden Menschen) des Entdeckers benannten Wasserfälle sind ein Highlight des Parks und wurden anfangs fächlicherweise als die Quelle des Nils deklariert. Die Bootstour und anschließende Wanderung vom Fus des Falls bis zum Beginn waren für mich nochmal ein Naturereignis der extraklasse. Riesige Wassermassen müssen durch einen meterbreiten Bereich in die Tiefe, sodass sich inzwischen schon ein Zweitfall, der einen Umweg in Kauf nimmt, gebildet hat. Überhaupt finde ich Wasserfälle klasse:)
Nach dem eintägigen Aufenthalt war ich jedoch froh, abzufahren, das Klima dort oben ist nochmal heißer als überall wo ich bisher war. Inzwischen komm ich hier in Buwama zurecht mit dem Wetter, doch ist auch das absolute Schmerzgrenze für mich. Ich musste definitiv feststellen, ich gehöre zu den Menschen die auf kaltes Wetter stehen! Ich freue mich jedes mal irrsinnig wenn es hier regnet oder bewölkt ist, das bedeutet nämlich ein wenig kälteres Wetter.
Die Sipi Falls waren für mich genau die richtigen Wetterverhältnisse. Am Rande des am Mount Elgon NP gelegenen befinden sich die drei Wasserfälle. Unsere Unterkunft war auf der Anhöhe des ersten, sodass wir beim Essen jedes Mal direkt auf den Fall gucken konnte. Die Akkustik war dauerhaft geprägt vom rauschen des Falls.
Den ersten Tag wurde dann nochmal voll durchgepowert. Ein Wanderung zu allen drei Fällen war angesagt, die auf vier Stunden angesetzte Wanderung wurde dann auf circa fünf erhöht, sodass wir alle ziemlich kaputt waren. Dennoch es hat sich gelohnt. Der erste Fall, der 90 Meter in die Tiefe kracht ist schon echt toll, im Gegensatz zum Murchisons fällt hier nicht eine sehr große Menge an Wasser, dafür sehr gebündelt. Ein Strahl Wasser der mit einer gewaltigen Kraft unten in das Wasser eintritt. Unheimlich laut, ganz viel Gischt und relativ kühl. Ein toller Platz.
Der Zweite Wasserfall fällt gerade mal 20-30 Meter und ist eher gestreut. Doch kann man nach glitschiger Kletterpartie über die Steine ein angenehme Dusche nehmen. Der oberste Wasserfall fällt circa 80 Meter und ist relativ versteckt von Felsen rundherum, sodass dieser Ort einem ein wenig verwunschen vorkommt.
Am nächsten Tag haben meine Eltern dann eine Kaffetour gemacht, hierbei durften sie Kaffee ernten, rösten und mahlen und den fertigen Kaffee dann natürlich auch mit nach Hause nehmen.
Ich habe ausgesetzt, ich habs hier in Buwama schonmal erlebt.
Den Tag in Jinja haben wir dann mit dem Besuch der echten Quelle des Nils verbracht, leider ist durch das verbinden des Nils mit dem Lake Victoria die eigentlich Qeulle unterhalb der Wasseroberfläche, sodass man nur durch die Strömungen die dort herrschen sicher sagen kann, dass unterhalb eine Quelle sein muss. Anschließend wurde der nachmittag ganz entspannt an der Kingfisher-Lodge verbracht, der Pool bot wieder einmal die Gelegenheit zu schwimmen.
Nun so schnell sind drei Wochen rumgegangen. Inzwischen kann ich behaupten schon fast überall in Uganda mal gewesen zu sein. Seit kurzen kenne ich auch einen Karamajong, der Stamm der Karamajong gilt ähnlich wie die Massai als Kulturerlebnis, daher muss ich nicht mehr ganz in den Norden um diese zu besuchen, auch der angrenzende Kidepo reizt mich nicht so sehr.
Was definitiv noch auf meiner Liste steht ist Kigali, die Serengeti und Sansibar. Kigali werde ich vermutlich noch bis August erleben, Sansibar und die Serengeti verschiebe ich auf später.
Ich denke das sollte erstmal reichen, ich höre jetzt auch euch neidisch zu machen und schreibe hoffentlich wieder etwas regelmäßiger über andere Dinge.
Demnächst kommt noch ein Bericht über das Zwischenseminar, soll ja nicht in Vergessenheit geraten, über Abduls Graduation-Party möchte ich euch auch nicht im Unklaren zu lassen und wenn bis dahin nix neues kommt gibt’s erstmal wieder was über die Arbeit.
Achja und dieses Wochenende gibt’s vermutlich auch erstmal noch einen kurzen Bericht über den Eindruck den meine Eltern hier hinterlassen haben. Ist ganz amüsant;)
Also reinschaun lohnt sich;)

PS: Bevor ichs vergesse, fragt Mama doch mal wie die Hotelzimmer im Aponye Hotel waren, sie kennt sich da inzwischen ganz gut aus. Oder fragt Papa mal nach dem Local-Food, er ist zu einem besonderen Fan geworden.

Donnerstag, 7. März 2013

Ein Freund aus einer anderen Welt

Sooo, wo fange ich an, bzw. wo habe ich aufgehört?! Ich glaube mit der Maisernte. Anschließend ist eigentlich nichts aufregendes mehr passiert. Also kann ich eigentlich direkt starten mit dem Wochenende an dem ich Max abgeholt habe. Auch er kam mit Turkish Airlines was ihm eine ähnlich bescheidene Ankunftszeit vorgab wir mir. Sein Flieger sollte Sonntagmorgen um 4:20 Uhr in Entebbe landen. Mein Plan war es die Kosten für eine Übernachtung zu sparen und den Abend einfach in einer Bar zu verbringen. So kam es dann auch fast. Ich verbrachte also den Beginn meines abends in einer sehr schönen Bar. Nachdem ich eine andere komplett weibliche FW-Gruppe die ausschließlich in Entebbe stationiert ist kennenlernte (sowas sieht man selten) und eine Uganderin war der abend schonmal nicht ganz so langweilig. Die Uganderin erkannte meine verzwickte Lage und suchte anschließend mit mir nach einer anderen Bar, da diese um 12 Uhr zu machen wollte. Ich fand mich in einem der dekatensten Schuppen wieder die ich je in Uganda gesehen habe. Das Bier kostete auf einmal Unsummen von 6000 UGX und die Uganderin schien es für selbstverständlich zu halten, dass ich zahle. Na großartig. Nachdem ich irgendwie flüchten konnte, leider nicht ohne meine HandyNr an sie abzugeben fand ich mich um 2 Uhr auf dem Weg zum Flughafen. Zu Fuß brauchte ich zwar 30 Minuten, dennoch begann nun die große Warterei. Das Problem am Flughafen in Entebbe ist, dass er nicht nur unheimlich klein ist, sondern auch unglaublich langweilig. Nachdem ich die vermutlich längsten zweieinhalb Stunden seit ich hier in Uganda bin überlebt hatte kam Max dann um 5 Uhr auch endlich. Anschließend nahmen wir ein Taxi und kamen irgendwann in den frühen Morgenstunden in Kampala an. Dort kamen wir mit wengi Schlaf aus, sodass ich Max noch am selben Tag einen kurzen Einblick in die Hauptstadt Ugandas geben konnte. Am nächsten Tag sollte es dann schon nach Fort Portal gehen.
Marian und seine beiden Mitbewohner Theresa und Lisa nahmen uns wie gewohnt herzlichst auf, sodass wir eine angenehme Bleibe für die kommendenTage hatten. Fort Portal gefiel Max so gut, dass wir unseren geplanten Aufenthalt um einen Tag verlängerten. Wir besuchten eine Eco-Tourism-Site, so heißen die Öko-Einrichtungen, die meist von der ansässigen Community betrieben werden. Von dort nahmen wir das volle Programm mit, Wasserfall, Höhlenbesuch und Kraterseetour. Anstrengend aber sehr gelungener Tag. Und das für schlappe 30.000UGX für uns beide.
Am nächsten Tag war dann der größte Markt Ugandas Westens angesagt. Doch muss man sagen, hat man einen hat man alle gesehen. Ugandische Märkte sind rein zweckmäßig, hier gibt es selten Kunst oder Handarbeiten. Meist rein Gebrauchsgegenstände, Klamotten, Obst/Gemüse und Fleisch bzw. Fisch. Die Atmosphäre auf einem Ugandischen Wochenmarkt ist ganz anders. Hier ist eine unglaubliche Hektik am Werk, die durchaus irritiert, wenn man sonst doch andauernd hört „No need to hurry“. Zum schlendern bleibt da keine Zeit. Die Preise jedoch überzeugen. Ich meine mich vage zu erinnern, dass wir für 10.000 UGX, also um die drei Euro. Ananas, Melone, Passionsfrucht und statts Mangos fälschlicherweise Avocados gekauft haben.
Am folgenden Tag ging es dann weiter nach Kasese, Ziel war der Queen Elizabeth National Park. Nachdem wir Auto, Essen und sonstiges organisiert hatten konnten wir dann am darauffolgenden Tag vor dem Aufstehen aufbrechen. Auch für mich war es der erste Besuch im NP, sodass ich glaub ich nicht weniger aufgeregt war als Max. Wie sich herausstellte hatten wir aber glaub ich ziemliches Pech, bzw. die falsche Zeit für eine Safari ausgesucht. Auf das erlebte bzw. generell auf die NP werde ich in einem späteren Blog noch genauer eingehen.
Samstag war dann vermutlich der anstrengenste Tag. Die Reise von Kasese nach Buwama. Eine ziemliche Nervensache. Aber wir haben nahezu alle Fortbewegungsmöglichkeiten mitgenommen. Mit dem Taxi ging es nach Mbarara, von dort aus mit dem Überlandbus nach Masaka, anschließend ging es im Kleinbus (etwas größer als das Taxi) nach Buwama. Ich erinnere mich grob an 10h Reisezeit. Auf jeden Fall waren wir beide ziemlich hinüber als wir in Buwama ankamen. Der Sonntag wurde zum ausspannen benutzt, nebenbei konnte ich Max ein klein wenig von meiner Welt zeigen. Montag und Dienstag stand Jinja auf dem Sightseeingplan. Die Source of the Nile muss man irgendwie gesehen haben, ist aber irgendwie nicht wirklich interessant, sorry dafür.
Das Problem ist, dass man die eigentliche Quelle gar nicht mehr sieht. Durch den Staudamm (durch den nebenbei nahezu ganz Uganda und Teile Kenias und Tansanie mit Strom versorgt werden) und die Verbindung zum Lake Victoria ist die eigentlich Quelle unterhalb des Wasserspiegels, sodass man sie nur sprudeln sieht und davon ausgehen kann, dass da unten irgendwas passiert.
Ich dachte bis mich der Guide auf der Tour von unseren Eltern aufklärte, dass die Kingfisher Lodge eine der teuersten in Uganda ist, sowohl die in Jinja, als auch die am QENP. Ein Pool und teure Getränke sind für mich ein Indiz für ne teure Lodge, wie dem auch sei, die Lodge hat uns zumindest ganz gut gefallen und ein teures Soda kann man sich ja mal gönnen.
Mittwoch und Donnerstag waren dann für eine ausgiebige Stadttour durch Kampala eingeplant. Viel Neues war für mich nicht dabei, dennoch muss man sagen, dass es mir sehr Spaß gemacht hat Max auf der Tour ein-zwei Dinge zu zeigen. Erwähnenswert ist auf jeden Fall der Besuch der Gadafi Mosche. Die Mosche steht im Stadtteil „Old Kampala“, auf einer Anhöhe, sodass das ziemlich hohe Minarett einem einen atemberaubenden Blick über die Stadt verschafft. Taxipark, Ovino-Market und das Stadtgewusel sehen von oben wesentlich harmloser aus als sie sind wenn man mittendrin ist. Donnerstag abend war es dann schon Zeit nach Entebbe aufzubrechen, da Max mich zu einer ähnlich bescheiden Zeit am Freitag morgen schon wieder verlassen wollte. Diesmal konnte ich meinen Geiz niederringen und nahm ein Guest House in dem wir verweilen und ich später schlafen konnte. So kam es das wir uns mitten in der Nacht im dunklen vorm Flughafen in Entebbe verabschiedeten. Ich wollte gerade schreiben beide zurück in ihre Welt, aber das wäre gelogen, da ich ja erst jetzt wieder in meiner Welt bin, wie dem auch sei.
Für mich war nicht die Tour selbst das schöne an Max' Besuch, sondern einfach mal einen Kumpel, der im Kopf ähnliche Dinge hat wie ich, aus demselben Kulturkreis kommt und vorallem einige interessante Storys von zuhause im Gepäck hatte. Wobei ich auch sagen muss, 24 Stunden aufeinanderhängen kann auch anstrengend sein. Zumal wir beide immer wieder gerne über diesselben Dinge diskutieren können:D
Ich möchte mich nochmal kurz bei dir bedanken Max! Um ehrlich zu sein war ich schon ein wenig verwundert, das gerade du mich besuchen gekommen bist und ich war ehrlich überrascht. Du hast dich ziemlich gut geschlagen;) Ausserdem war es eine echt schöne Zeit mit dir:)
Dankeschön!


Ein klitzekleines Problem bleibt, ich habe während der Reise kaum ein Foto geschossen, Max Kamera war besser und mein Akku leer. Mal schauen ob wir das noch hinkriegen ein paar Bilder online zu stellen.
Die Reise kann sich nämlich echt sehen lassen (was ein Wortwitz).

Freitag, 1. März 2013

Zuhause ist es doch am schönsten

Endlich bin ich wieder zuhause. Nach wochenlanger Abstinenz bin ich wieder im beschaulichen Buwama angekommen. Für alle die es nicht wissen, ich durfte hohen Beusch aus der Heimat empfangen. Mitte Januar kam Max, eine Stufenkamerad und Kumpel. Die verbrachten 12 Tagen waren zwar oft recht anstrengend dennoch eine sehr angenehme Zeit. Ich würde behaupten wir haben die kurze Zeit gut genutzt und ziemlich viel gesehen. Für mich persönlich war es jedoch eigentlich schöner mit einem „alten“ Kumpel zu quatschen. Nachdem die Zeit mit Max dann vorbei war hatte ich einen Tag zum durchschnaufen, bis dann meine Eltern in Entebbe landeten. Mit ihnen verbrachte ich eine Woche in Buwama bzw. Kampala und anschließed zwei Wochen in ganz Uganda. Nun kann ich mit Fug und Recht behaupten so ziemlich alles in Uganda gesehen zu haben. Doch damit war noch nicht genug, während meine Eltern ihren Flug nach Sansibar antraten durfte ich auf direktem Wege zum Zwischenseminar. Fünf Tage mit allen Freiwilligen über Gefühle, Einstellungen und Erlebtes quatschen. Manchmal anstrengend, manchmal nervig doch im großen und Ganzen eigentlich ganz gut. In dem darauffolgenden Seminar der NGOs (dort trafen sich Mitarbeiter unserer Orgas um über uns, ihre Arbeit und das weltwärts-Programm zu quatschen), durfte/musste/sollte ich auch noch eine Rolle spielen, sodass ich erst Mittwochnachmittag in Buwama ankam. Jetzt heißt es erstmal erholen, verarbeiten und natürlich auch arbeiten. So sitze ich „frisch und munter“ seit 8 Uhr wieder im Office. Während ich zukünftige Arbeitsprojekte plane, ergreift wieder eine leichte Unruhe das Office. John hat sich angekündigt. Ich hoffe ihr versteht, dass ich in der momentanen Situation den Schreib-Flow einfach nich finde. Aber macht euch keine Sorgen, in den nächsten Tagen werdet ihr „Step by Step“ von allem erlebten unterrichtet.
Bis dahin liebe Grüße
Leon

Freitag, 25. Januar 2013

Das weiße Gold

Entschuldigt, den folgenden Artikel wollte ich eigentlich vor meinem Besuch noch absenden. Das hab ich leider nicht geschafft, daher mach ich das jetzt in der "Pause" zwischen meinen Besuchen. Mein Freund Max hat heute morgen Uganda verlassen am Sonntag werden meine Eltern ugandischen Boden betreten. Nur damit ihr Bescheid wisst warum es in letzter Zeit so still war und in den kommenden Wochen nicht wirklich anders sein wird. Entschuldigt dies bitte, keine Sorge, danach werde ich euch mit touristischen Blogeinträgen und Bildern überhäufen, bis dahin bleibt euch leider nur dies.

Zum Arbeitsbeginn des neuen Jahres gab es direkt ein großes Ereignis. Vor unserem Office stapelten sich schon Säcke Arbeit. Im wahrsten Sinne des Wortes. John, mein Chef, besitz eine Farm und ziemlich viel Land, neben Hühnern, Schweinen und Kühen, besitzt er auch unzählige Maisfelder. Zum neuen Jahr hatten uns die Arbeiter auf der Farm ein Geschenk dagelassen und zwar ein Drittel der Maisernte. Nun bestand die Aufgabe darin den Mais vom Kolben zu trennen, zu trocknen und anschließend wieder in die Säcke zu packen und ihn zu verkaufen. Wer hat schonmal mehrere Tonnen Mais vor Augen gehabt? Ich schon! Kann ihm Nachhinein aber sagen, die Arbeit ist die Hölle, trotzdem ziemlich geiles Gefühl wenn man Knöcheltief im Mais steht.
Angefangen hat es also mit dem Trennen des Mais vom Kolben, hierzu hatten wir glücklicherweise eine Maschine. Die hat jedoch alle paar Stunden schlapp gemacht bis wir dann nachmittags das Problem gelöst hatten. Während die Kolben aus der Maschine geschossen kamen, erinnerte mich ein wenig an das Tennistraining mit der Ballmaschine, kam auf der anderen Seite der Mais raus. Nun um den zu trocknen brauch man natürlich viele Planen auf dem man den Mais ausbreiten kann. Nach einem halben Tag Arbeit war dann klar, die Einfahrt von unserem Office reicht einfach nicht. Bis zum abend hatte John aber die Idee. Wir packen einfach den ganzen Mais aufs Fußballfeld. Also durften wir den Mais erstmal wieder in Säcke packen und mit nem LKW laden um ihn dann auf dem Fußballfeld wieder verteilen zu dürfen. So kam es übrigens dazu, dass wir die ein oder andere lustige Trainingseinheit hatten. Nach Zwei bis Drei Tagen war der Mais dann trocken, sodass er wieder in Säcke gepackt werden konnte und endlich verkaufsbereit war. Im Moment kümmern wir uns um den „Abfall“, die Kolben werden zerschreddert um dann als Tierfutter zu dienen, heißt alle Kolben in Säcke um sie zum „Kolbenwolf“ (keine Ahnung wie man die Maschine nennen soll) zu bringen. Man muss nebenbei sagen, dass Abdul und Ich eher weniger Arbeit verrichtet haben. John hatte einige Tagelöhner angeheuert und natürlich hat er auch zwei Festangestellte die für solche Arbeiten zuständig sind. Die Männer arbeiten auch wesentlich effektiver als Ich, Abdul mag körperliche Arbeit nicht so gerne, das merkt man auch. Nebenbei für einen ganzen Tag harte Arbeit bekommen die Tagelöhner 10000 UGX, umgerechnet gute drei Euro. Das ist der Standardsatz für ungelernte Arbeiter. Nur um das mal in eine Relation zu setzen.
Der Kilo Mais kostet 600 UGX, wir haben jetzt schätzungsweise 2,5 Tonnen Mais verarbeitet.
Heißt John macht einen Gewinn von 1,5 Millionen UGX. An einem Tag hatten wir 12 Arbeiter, von denen vier mehr als einen Tag gearbeitet haben. Selbst wenn ein paar mehr als 10000 UGX/Tag bekommen haben übersteigen die Personalkosten nicht 300000 UGX. Die Maschine besitzt John, ebenso hat er den LKW von der Orga von seiner Frau benutzt, bleiben Spritkosten und sonstige Ausgaben, lassen wir das mal 200000 UGX sein. Bleibt ein Umsatz von einer Million UGX, die einzig und allein an John geht. Keine Sorge, die Saatkosten decken sich laut Abdul ungefähr mit dem Gewinn durch den Verkauf der Kolben.
Entschuldigt wenn ich euch mit dieser Rechnung auf die Nerven gehe, aber ich muss immer daran denken wieviel die Besitzer verdienen, obwohl sie im Prinzip keine Arbeit verrichten sondern nur arbeiten lassen. Ich frage mich immer warum ist das so, dass John so reich ist und die andern so arm? Ich glaube inzwischen an die andauernde Aussage meiner Freunde und Bekannten „It's all about the money“. John hat irgendwoher Kapital bekommen, dass er sinnvoll eingesetzt hat, das könnten andere aber auch...
Ich will John gar nicht schlecht machen, aber irgendwie schockierend. Ich fühl mich noch schlechter, aber nebenbei hab ich auch „Geld verdient“. Ich hab für meine Mithilfe 5000 UGX bekommen, ich konnte sie nicht ablehnen, also habe ich dafür Getränke für mich und meine Arbeitskollegen gekauft. Ein ganz komisches Gefühl, eigentlich arbeite ich für eine NGO und versuche irgendwas für die Menschen zu tun, die ein schwieriges Leben führen, stattdessen helfe ich mit meinen Boss noch reicher zu machen...

Bilder folgen.


PS: Um einige zu beruhigen. Mein Bilharziose-Test war negativ, also alles locker vom Hocker;)

Donnerstag, 20. Dezember 2012

Fluch oder Segen?

So langsam muss ich euch mal von einer bestimmten „Jahreszeit“ erzählen, sonst ist sie bald vorbei.
Ich erinnere mich vage, dass es damals als Mose die Israeliten aus Ägypten führte, als Plage Gottes bezeichnet wurde (Ich hoffe ich blamiere mich hier gerade nicht komplett).
Wie auch immer hier in Buwama ist es eher ein Freudenanlass, zumindest für die meisten.
Ich spreche von der jährlichen Grashopper-Season. Zwischen November und Dezember werden hier alle möglichen Konstruktionen errichtet um die Millionen Grashüpfer zu fangen.
Mit Hilfe von Pfosten werden Wellblechteile steil aufgerichtet, am Boden stehen alte Fässer, in denen die Grashüpfer dann nacher landen sollen. Oben an der Öffnung werden helle Lichter befestigt, sodass es dann in der Nacht losgehen kann. Die Lichter locken die Grashüpfer an sie fliegen oben an die Öffnung, verlieren irgendwann die Kraft zum fliegen und finden auf dem Wellblech keinen Halt, sodass sie dann in den Fässern landen. Diese sind zu hoch als das sie wieder raushüpfen/fliegen können.
Am nächsten Morgen wird die Beute dann verarbeitet. Heißt die Beine, Flügel und sonstige ungenießbaren Teile werden abgerissen. Anschließend landet der Rumpf in siedendem Fett.
Frittiert sollen sie dann eine Delikatesse sein. Natürlich hab ich schon probiert, muss aber sagen, dass ich nicht übermäßig begeistert bin. Ohne Gewürde schmeckt es nach relativ wenig. Der Chitinpanzer knackt ein wenig beim kauen und das Fett ist einfach nicht sooo schmackhaft.
Kann man essen ist aber kein Highlight. Nebenbei, die Grashüpfer sind auch verlgeichsweise sehr teuer.
Dennoch wenn man über die Ernährungsproblematik weltweit nachdenkt finde ich den Verzehr von Insekten durchaus praktisch. Die White Ants, waren eigentlich ganz in Ordnung. Ich könnte mir durchaus vorstellen, einmal in der Woche sowas wie einen bunten Salat aus Insekten zu essen.
Ich muss da immer an Timon und Pumba denken, als sie Simba ihre Insektenauswahl auf einem Blatt präsentieren. Doch könnte ich mir vorstellen, das zumindest meine Familie ähnlich wie Simba reagieren würde und meinen Vorschlag ablehnt. Zumal es problematisch werden könnte die Insekten in deutschen Supermärkten zu kaufen. Aber rehein hypothetisch...
Achja jetzt hätte ich den Negativ-Aspekt fast vergessen. Die Grashüpfer nerven. Blöderweise habe ich letztens eine Nacht mein Fenster aufgelassen. Dumme Entscheidung, 50 Meter Luftlinie, ist der nächste „Fangplatz“. Und wenn die Nacht vorrüber ist suchen sich die Insekten andere Plätze, wenn es dann auch noch regnet, wie an diesem Morgen, gerne auch innerhalb von Wohnungen.
So auc in meiner. Daher hatte ich dann circa 30 Grashüpfer in meiner Küche rumfliegen/rumhüpfen. Ich war echt erfreut soviele Besucher auf einmal empfangen zu dürfen. Als ich dann jedoch feststellte, dass die Viecher beissen können, schmiss ich leicht angesäuert alle raus.
Was ein lustiger Morgen...
Und wieder zeigt sich einmal, alles hat seine Vor- und Nachteile.

Donnerstag, 13. Dezember 2012

Praktikum vs. FW-Tourismus

Mein Trip ging nach dem Wochenende mit den Neuen ja noch weiter, und zwar nach Fort Portal.
Also los!

Mittwoch ging es dann endlich los mit dem Postbus. Nicht nur angenhemes Reisen, sondern auch günstig und pünktlich. Ich war schon ein wenig verwundert.
In Fort Portal angekommen trafen wir (ein Mitfreiwilliger aus Jinja, Samuel, begleitete mich) uns fix mit Marian zum Mittagessen. Schon ein wenig anders, als bei mir zuhause und wenn man mich fragt auch nicht halb so gut wie hier. Aber naja. Wenigstens ähnlich günstig.
Anschließend gabs ne persönliche Führung durch die Toro Botanical Gardens. Im großen und ganzen ziemlich cool.
Am nächsten Tag sollte dann der Vortrag über artemisia stattfinden. Gesagt getan. Nach einer Stunde war bereits alles gesagt, die Pflanze ausgiebigst besprochen und der Termin an dem ich die Setzlinge mitnehme festgelegt. Also gut, dann halt ein verlängertes „Urlaubs-Wochenende“ in Fort Portal.
Am Freitag schloss ich mich dann Samuel und zwei weiteren Gästen von Marians Mitbewohnerinnen an und los ging die Fahrt zum Lake Alberta. Durch den Lake Alberta zieht sich die Grenze von Uganda und dem Kongo, und er gehört zu den tiefsten Seen Afrikas. Geplant hatten wir eine Bootstour zu irgendwelchen Wasserfällen, Samuel hatte da einen Tipp von einem anderen FW. Nachdem es aber ein preisliches hin und her war und auch noch unsere Reisepässe aufgrund des Grenzverhältnisses verlangt waren, die aber nur teilweise vorhanden waren, entschieden wir uns dagegen.
Übrig blieb, eine für mich zwar schon bekannte, aber nette Tour durch ein Fischerdorf. Irgendwie musste ich die ganze Zeit an „Asterix und Obelix“ denken, wenn sich der Fischer und der Schmied immer drum kloppen ob der Fisch frisch ist oder nicht. Insgesamt fühlte ich mich aber eigentlich nicht so wohl. Man merkte, dass hier eher selten Weiße hinkamen, dementsprechend wurden wir die ganze Zeit argwöhnisch beobachtet. Ich kam mir vor wie ein Eindringling.
Das Highlight der Tour war dann aber die Fahrt. Die dauerte hin mit dem Taxi knapp zwei Stunden, zurück nahmen wir dann ein Boda. Ein klasse Entscheidung, da uns das Boda gerade mal 1,50€ mehr kostete und so eine Tour echt super ist. Vor allem wenn man durch das Semliki Wildlife Reserve fährt. Über eine Stunde fuhren wir über eine Staubpiste, links und rechts erstreckt ich eine endlose Baumsavanne. Regelmäßig beäugten uns die Antilopen ängstlich und ich glaube ich habe die größten und dicksten Paviane überhaupt gesehen. Alles in allem auf jeden Fall aufregend!
Samstag, noch komplett begeistert vom gestrigen Tag startete die Freiwilligen-Connection in Fort Portal direkt den nächsten Ausflug. Die Mahoma Falls standen auf dem Plan.
Warum nicht? Mit circa 10 Freiwilligen hieß es dann Alterna-Tourismus. Um die 3 Eruo Eintritt zu sparen, machten wir unseren Trip auf eigene Faust über eine eigene Route.
Durchaus beschwerlich und teilweise echt schwierig mit meinen Sneakers, aber ich bewies mal wieder, dass diese Wanderklötze die die meisten anderen trugen absolut unnötig sind.
Die Mahoma Falls selbst waren dann echt beeindruckend, ich hab ja schon einige Wasserfälle gesehen, aber das tolle diesmal war einfach diese Naturbelassenheit. Hier gab es kein Geländer, keine touristische Infradtruktur, nur uns und den Wasserfall. Mit Fotos schiessen, klettern und nass werden verbrachten wir dann unsere Zeit vor Ort bevor wir den Rückweg antraten.
Sonntag sollte dann der für mich krönende Abschluss kommen: Schwimmen!
Die Tour ging erstmal zu den Besitzern einer Vanille-Firma. Ich war positiv überrascht. Bisher hatte ich doch nur schlechte Erfahrungen mit den Weißen hier gemacht, so waren die beiden (ich glaube Briten) das komplette Gegenteil. Soviel Gstfraundschaft, Höflchkeit und Freundlichkeit war ich gar nicht mehr gewohnt, von Weißen. Auch diese Bodenständigkeit verwunderte mich, wusste ich doch, dass die beiden ordentlich Geld haben mussten. Angeblich liefert ihre Firma die Vanille an Ben&Jerrys.
Nachdem wir uns dann bekannt gemacht hatten und einen netten Ami, der in der Nähe wohnte und uns das alles überhaupt ermöglicht hatte eingesammelt hatte, hieß es erstmal wieder runterwandern an den See. Den wir vorher vom Haus des Ehepaares in einem atemberaubendem Panorama ausfindig gemacht hatten. Nachdem meine Sneakers wieder mal bewiesen hatten, dass diese Art Schuh für jegliche Aktivität einfach perfekt sind, standen wir am Ufer des Sees. Auch hier wieder mal alles komplett unberührt, naturbelassen, großartig.
Nach knapp vier Monaten Sommertemperaturen ohne Abkühlung, war es wie der Himmel auf Erden, das Wasser hatte eine angenehme Temperatur, war sauber und einfach nur angenehm auf der Haut. Wir schafften es gerade noch bevor der Regen einsetzte zurück zum Haus der Briten, dort angekommen wurden wir erstmal mit Früchten und Körnern verköstigt, dazu gab es Tee und zwar richtigen Weihnachtstee. Die Gewürzmischung die es hier gibt schmeckt nämlich definitiv nach Weihnachten. Beim Gespräch wurde relativ schnell klar, der See hat Bilharziose. Dumm gelaufen. Naja whatever, als ich hörte, dass es aufs Immunsystem ankommt wie sich der Parasit entwickelt war ich schon wieder locker. Mit meinem Immunsystem sollte das eher lachhaft werden.
Dennoch werde ich in sechs Wochen sicherheitshalber einen Test machen, ob es mich wirklich erwischt hat und wenn dann natürlich die notwendigen Schritte ergreifen.
So konnte ich dann am Montag nicht nur meine Artemisia-Setzlinge mit nach Hause nehmen sondern eventuell auch das ein oder andere kleine Tierchen. Es sollte die nächsten sechs Wochen noch genießen:)
Insgesamt war der Trip eine willkomene Abwechslund, der sowohl arbeitstechnisch als auch privat sehr erfolgreich war!

Dienstag, 11. Dezember 2012

Welcome to Uganda

Ja endlich melde ich mich wieder mal, die letzten Wochen waren echt geschäftig.
Daher möchte ich mal beginnen mit dem Eintreffen der „Neuen“ Anfang Dezember.

Seit geraumer Zeit stand nur schon fest, dass die ugandischen Freiwilligen Zuwachs bekommen, gleich vierfach. Drei besetzen neue Projekte, eine übernimmt die Stelle von Martin, der abgebrochen hat. So stand auch seit geraumer Zeit fest, dass wir die nun schon heimischen ein Programm übers Wochenende vorbereiten sollten. Gerade da wir uns schon so heimisch/ugandisch fühlen wurden die Vorbereitungen auch genau so getroffen. Dennoch muss man sagen, dass ich das Wochenende als sehr gelungem empfand und es alles wichtige beihnhaltete.
Der Flug der künftigen Haudegen sollte in der Nacht von Freitag auf Samstag um 4 Uhr landen.
Sehr gut, so konnten wir uns mit Grund in Entebbe einen hinter die Binde kippen. So kam es, dass wir am frühen abend uns zu viert auf die Reise machten und erstmal in einer Bar in Entebbe versackten. Irgendwann musste diese gechillte Zeit aber enden und wir trampten zum Flughafen. Mit sieben Leuten in nem Kleinwagen eigentlich kein Problem, natürlich wusste keiner von uns, dass die Polizei ihre Kontrollen vor dem Flughafen auch nachts durchführte. Nachdem wir dann schnell den Polizisten mit weniger als einem Euro bestochen hatten (eigentlich mehr als unangenehm und falsch, aber doch irgendwie günstig und naja, ohne sowas schafft man es nicht hier ein Jahr zu leben glaube ich) war der Rest nurnoch Formsache.
Die Schilder mit Namen, oder sowas ähnlichem, waren beschriftet und während die einem vorfreudig aktiv wurden, gingen der andern Hälfte die Lebensgeister aus.
Eine kurze Begrüßung und dann war der „große Moment“ auch schon vorbei. Fix ins vorher bestellte Taxi, an der Tanke noch das Willkommensbier und dann nix wie nach Hause ins Bett.
Das restliche Wochenende wurde dann Nützliches mit Spaßigem verbunden, sodass glaube ich alle etwas davon hatten. Ob Handy-/Simkartenkauf oder Gadafi Mosque bzw. äthiopisch Essen, für jeden gabs was wo er sich drauf freute. Natürlich wurden die Neuen erstmal mitgenommen zu den wohl wichtigsten Veranstaltungen. Dem Feiern in unterschiedlichen Örtlichkeiten.
Abgerundet wurde am Montag das Programm dann mit dem Besuch des Nature Palace. Einer ausserhalb liegender Orga, die ein sehr relaxten Compound hat und auf der wir uns alle gleich wohlfühlten.
Mein Highlight des Wochenendes bliebt dennoch die Frage eines Neuen: „Sag mal pfeifen Ugander eigentlich auch?“ Anfangs musste ich lachen. Doch hat mich diese Frage noch die halbe Nacht beschäftigt. Wie ähnlich sind wir uns eigentlich? Also Ugander/Afrikaner und Deutscher/Europäer?
Unterscheidet uns nur die Art in dem sich das Licht auf unsere Haut bricht?

Dienstag, 27. November 2012

Die Regenzeit fordert ihre Opfer

Nach den ganzen Bildern kommt heute wieder Text. Juhu!;)
Gestern war endlich (!) mal ein Tag in der Regenzeit wie ich ihn mir vorgestellt habe.
Morgens früh um fünf Uhr wurde ich wach. Zuviel „Wasser“ am Vorabend.
Doch nicht nur ich entschied mich zum Wasser lassen. Auch der Himmel öffnete seine Pforten.
Es regnete. Nicht ein wenig, nicht viel, nicht sehr viel. Sondern Massen an Wasser kamen runter.
Nachdem ich mich zurück in mein Bett gekuschelt hatte lauschte ich noch ein wenig den Regentropfen auf dem Wellblechdach bis ich dann wieder einschlief. Um 8:45 Uhr also mehr oder minder pünktlich stand ich dann auf. Es regnete noch immer und hatte auch nicht zwischendrin aufgehört, was mir mein Blick durchs Fenster verriet.
Ich liebe morgendlichen Regen. Im Regen bewegt sich kein Ugander aus dem Haus. Heißt, man geht auch nicht ins Büro, bedeutet für mich ganz relaxt wach werden und gemächlich frühstücken.
Kurz nach 10 hörte es dann kurzzeitig auf. Nun musste ich wohl oder übel ins Büro.
Dort angekommen erfuhr ich von unserer offiziellen Einweihung des Brunnens mit den Schülern der Schule in Maddya. Heißt wir fuhren zur Schule und luden die Kinder und einen Lehrer ein und wollten dann zum Brunnen.
Mir war klar, dass bei dem Wetter und den Straßenverhältnissen irgendwas schief gehen würde.
Die Schule liegt auf einem Hügel. Hammer Ausblick. Aber bei der schlammigen Strecke wars auch mit Allradantrieb alles andere als ne ruhige Fahrt.
Das gute ist, der Brunnen liegt in einem Tal. Und wie man bekanntlich weiß, runter geht’s immer...
Nachdem wir dann alle eingeladen hatten und loswollten fragte ich Abdu warum wir nicht gehen, soooo weit wäre der Weg ja nicht. Er sah mich verständnislos an. Frei nach dem Motto, bei den Straßen und bei dem Wetter setz ich keinen Fuß freiwillig aus dem Auto. Na gut, dann halt nicht.
Nachdem wir den angenehmen Teil der Strecke, nämlich den Teil in dem die Straße wirklich für Autos gedacht ist, was man eigentlich nur an der Breite erkennt, nicht am Untergrund. Begann ich mir Sorgen zu machen. Ausgerechnet heute war Medie nicht da, sodass Ronni fuhr. Ronni ist eigentlich auch ein guter Fahrer, hat nur nicht so viel Erfahrung und ihm fehlt sowas wie der Instinkt für die Straße. Mit ihm landet man öfters mal im Graben und muss dann schieben.
Mit mulmigen Gefühle ging es dann mit Auto in den Fußpfad. Die Bäume am Rand sind schon bei guter Strecke nicht einfach zu umkurven, aber bei den Verhältnissen nahezu unmöglich.
Aber Ronni machte sich erstaunlich gut. Bis wir dann zu DEM Baum kamen.
Ronni fuhr halb aufs Feld um irgendwie um den Baum rumzukommen, nachdem die vorderste Reihe am Baum vorbei fahren verloren alle vier Räder jeglichen Grip, aufgrund der Steigung rutschen wir in Richtung Baum. Die Kinder anfangs noch vergnügt wurden unruhig und erschreckten sich ganz schön als es dann passierte.
Klirrrrrrr. Die hinterste Scheibe eckte am Baum an und gab sofort nach. Scherben fielen zu Boden. Der Junge der am Fenster saß ganz jetzt damit prahlen, dass er einen Unfall aus nächste Nähe erlebt hat ohne einen einzigen Kratzer.
Nun hieß es alle raus, die Karre irgendwie am Baum vorbeischieben. Gesagt getan. Hätte man eigentlich direkt machen können, dann wäre die Scheibe ganz geblieben. Aber wo bleibt dann das Abenteuer?
Fix die Fotosession im Nieselregen erledigt und schnell wieder ins Auto. Nachdem wir dann zwei Mal stecken blieben auf dem Weg zurück nach oben und diesmal direkt das Auto am Baum vorbeischoben war der Trip dann auch beendet.
Die Angehörigen trauern um:
Mr. Glasscheibe, er hatte ein schönes Leben bis er dann zu Sta...er Scherben zerfiel.
Leons Jeans, sie war eine treue Begleiterin, ob sie aus dem Koma erwacht wird die nächste Wäsche zeigen.
Wir hoffen, dass Kennedy, der dem Tod durch herabprasselnde Glassplitter nur knapp entkam auch zukünftig solche Abenteuer mit Humor nimmt und einfach drauf loslacht wenn die nächste Scheibe zerspringt.
In stiller Trauer, die Crew der offiziellen Eröffnung des Brunnens in Maddya

Montag, 19. November 2012

Meine Bude in Bildern

Meine Küche! Rechts steht der Tisch mit eingelassenem Waschbecken, daneben der Gaskocher, links an der Wand mein Küchenschrank und wie man sieht hinten meine Wäscheleine

Mein "Sitting-Room", ja ein wenig karg, das Regal ist schief angebracht (nicht von mir), aber naja inzwischen hab ich von John zwei sehr gechillte "Sessel" bekommen. Ich arbeite dran

Mein Bad, ich überlege ob ich mich mal im fliessen legen probieren soll, hier fliegen noch welche rum sowie ein wenig Zement, aus Jux und Dollerei echt ne Überlegung wert. Auch hier soll noch was passieren.

Prunkstück! Mein großes (!) Bett mit vernünftig angebrachtem Moskitonetz, neben dem Bett, kaum erkennbar, mein selbstgebauter Nachttisch

Das Schlafzimmer, im Moment noch ordentlich zugestellt, sobald die andern Räume fertig sind leert es sich hoffentlich ein wenig, meine chaotische Art habe ich nicht abgelegt:)

Der Brunnenbau in Bildern

Der "Deckel" unserer Brunnens. Da wo im Moment der Bananenbaumstumpf drinne steckt kommt nacher das Rohr mit Pumpvorrichtung durch. Das ist sozusagen, der untere Teil des Deckels.

Das ist der Brunnen. WIe ihr seht, es steht schon Wasser drinne. Sieht jetzt auch noch nicht sooo sauber aus, aber sobald der Deckel drauf ist reinigen die Steine am Boden das Wasser und es wird ja auch noch gefiltert. Die Steine drumherum habe ich übrigens mitproduziert;)

Es sieht gar nicht so tief aus wie es ist, mist. Der Brunnen ist circa 8 Meter tief, das Brunnen steht circa 6 Meter hoch.

Deshalb bauen wir den Brunnen. Das ist der Tümpel wo das Wasser im Moment geschöpft wird.

Die Wasserqualität spricht für sich. Wenn die Zeit oder Brennholz knapp ist, wird das Wasser nicht mal abgekocht und von den Kindern der Schule so getrunken.

Freitag, 16. November 2012

Sean Paul, Doppelkopf, Pool und Visum

Ein herzliches „Hallo!“ an meine Bloggemeinde,
ja ich weiß, es ist lange her und ja ich weiß, die versprochenen Fotos für letztes Wochenende sind immernoch nicht online. Ihr habt ja Recht. Aber im Moment bin ich andauernd beschäftigt...
Mein Touri-Visum ist ja vorgestern ausgelaufen, deshalb wollte ich letztes Wochenende endlich mein Volunteers-Visum fix machen. Nachdem Freitag keine Möglichkeit dazu war hoffte ich auf Montag und beschloss erst einmal das Wochenende zu genießen.
Naja der Start war eher mäßig...
Sean Paul für 7 Euro, nicht mal die 7 Euro war er wert... Nachdem er „No woman no cry“ versuchte zu covern und dann auch noch später mit diesem Schwachsinn von Gangnam (keine Ahnung wie man diese neuartigen epileptischen Anfälle nennt) anfing war Sean Paul für mich einfach nur ne Lachnummer. Dafür war die Lichtshow und die Tänzerinnen ganz nett. Trotz meines Handydiebstahls feierten wir nach dem Konzert noch ganz dekadent in Kololo (dem Bonzen-Viertel) bis in die Morgenstunden...
Also war Samstag dann erstmal relaxen angesagt.
Abends hieß es dann äthiopisch Essen, beim ersten Mal war es richtig geil, dieses Mal schaffte mich die äthiopische Art zu würzen. Man war das scharf...
Danach ging es dann im Rotlichtviertel Kampalas (Kaballgalla, oder so ähnlich) noch ein Bierchen trinken und Pool spielen. Durch mein regelmäßiges Training hier in Buwama kann ich zumindest beim Pool gegen meine Mitfreiwilligen durchgehend Erfolge erzielen. Das geht runter wie Öl wenn man hier in Buwama von den Ugandern meist ordentlich auf den Deckel bekommt:D
Sonntag kam es dann spontan zum stundenlangen Doppelkopfspielen. Richtig geil! Man hab ich das Spiel vermisst! Macht riesen Spaß und mit dem ein oder anderen kann amn das hier richtig gut spielen!:)
Abends war dann wieder der Bar-Besuch dran. Ein bekanntes Bild. Der Pool-Tisch war auch für mich uneinnehmbar. Nach zwei denkbar knappen Partien gegen den Lokal-Matador hatte ich keine Lust mehr. Eine Stunde später hab ich dann den bisher besten Pool-Spieler hier kennengelernt, bei ihm holte ich mir noch eine Trainerrunde ab, danach konnte ich frohen Mutes ins Bett. Leider änderte sich auch Montag nichts an meinem Visa-Status...
Angeblich sollte Donnerstag (also gestern) dann alles Paletti sein. Ich wollte mein Touri-Visum dann eigentlich auslaufen lassen und eine Nacht (Mittwoch auf Donnerstag) illegal im Land verbringen (uiuiuiuiuiuiuiuiuiuiuiuiui) wurde sogar so von dem Beamten im Immi geraten...
Mein Big Boss aus Deutschland machte dann aber so Stress, dass ich Mittwoch dann doch noch los bin um mein Touri-Visum zu verlängern. Nach 90 Minuten im Immigration in Kampala ohne Erfolg, gings nach Jinja in eine Außenstelle des Immis, nach zwei Stunden Fahrt und 5 Minuten im Immi, hatte ich vier Wochen Aufschub. This is africa...
Wer jetzt gedacht hätte, dass ich Donnerstag mein Volunteers-Visum bekommen hätte der ist natürlich ganz falsch...
System down. Heißt die sind nicht in der Lage mir die Kontodaten zu geben, damit ich die Visa-Kosten überweisen kann um ihnen dann für 2-3 Tage meinen Pass geben zu können, damit sie da nen Stempel und ne Unterschrift reinsetzen können...
Ich hoffe jetzt einfach mal, dass ich in den nächsten zwei Wochen mein Visum hab und die restlichen 8 Monate einfach relaxen kann!

Donnerstag, 8. November 2012

Der grüne Himmel

Endlich mal wieder ein Update. Diesmal der touristischen Form.
Letztes Wochenende war eine hier kennengelernte Freiwillige bei mir, Jule. War nicht nur für mich mehr als komisch mal nicht der einzige Muzungu in meinem Dorf zu sein.
Die Buwamer waren am stauen, aus eins mach zwei Muzunugs. Im Nachhinein wurde Jule dann von ner Mitfreiwilligen zu meiner Ehefrau emporgehoben. Obwohl ich eigentlich des öfteren betone, dass ich mein Single Leben hier durchaus genieße. Naja wie auch immer.
Besuch heißt immer Programm. So war es ein ganz schön anstrengendes, aber durchaus schönes Wochenende. Nachdem wir Freitag einige Stunden in der einzigen wirklich angenehmen Bar in Buwama verbracht haben und auch das ein oder andere Bier getrunken hatten, hieß es am Samstag erstmal ausschlafen. Dann fix dem Äquatorpunkt noch einen Besuch abstatten um dann pünktlich zum Spiel Arsenal gegen Manchester United wieder in Buwama zu sein. Das Match war in der Hinsicht besonders, dass Abduls und mein Team aufeinander traffen. Also war mir es natürlich sehr wichtig neben ihm das Spiel zu genießen und ihn anschließend zu foppen, weil ich wusste das ManU gewinnen würde. So wie es dann auch passiert ist. Praktisch ist, dass auch Jule fußballinteressiert ist, sodass es auch für sie glaub ich gar nicht soooo langweilig war. Leider untersützt sie in der heimischen Liga die Schwarz/Gelben, manche Menschen sehen ihre Fehler einfach nicht ein...
Aber jetzt zum eigentlichen Thema!
Am Sonntag hatten wir uns dann dazu entschlossen dem Mpanga Forest einen Besuch abzustatten.
Bei dem Mpanga Forest handelt es sich um einen Sekundärwald der ganz in meiner Nähe steht. Bekannt ist er für seine sehr zutraulichen Nashornvögel, für zwei Affenarten und für die Möglichkeit Schlangen zu sehen.
Nachdem wir den Hinweg dann absolviert hatten mussten wir erstmal feststellen Massentourismus sieht anders aus. Laut Führer eine Öko-Tourismus-Anlage. Bei wöchentlich 20 Besuchern verständlich. Das Gelände ist durchaus angenehm, sehr ruhig gelegen, mit Picknickmöglichkeiten unter traditionellen Dächern und einem verwilderten Headoffice.
Nachdem die Sekretärin dann von Zuhause angelaufen kam, nachdem sie die Muzunugs gesehen hatte die auf dem Weg zum Office waren. Schnell stellte sich heraus, dass sie auch unsere Führerin machen würde. Für drei Euro konnte meine erste „Dschungel-Safari“ dann also starten.
Für mich der dauerhaft nur Nutzfläche, Dörfer und Straßen sieht war das viele Grün nahezu ein Schlag ins Gesicht. Ein großartiges Gefühl unter einem Dach aus Grün umherzuwandern und einfach einmal die Ruhe genießen zu können. Nachdem ich feststellte, dass unsere Führerin nicht gerade gesprächig war, sonderte ich mich ein wenig ab um mein „Dschungel-Erlebnis“ für mich zu genießen.
Nashornvögel kreuzten regelmäßig unsere Weg und machten einen unter diesen Umständen gewaltigen Lärm beim losfliegen. Sodass ich mehr als einmal erschrak, weil ich erst beim losfliegen auf sie aufmerksam wurde.
Ich als absoluter Affenfan konnte dann auch meine erste Sichtung eines Affens in Uganda erleben.
Hoch in den Wipfeln der Bäume turnten die Affengruppen umher. Zu weit für Fotos und doch ganz nah.
Zwischenzeitlich kreuzte Einheimische den Weg. Der Wald wird immernoch genutzt, mit Sondererlaubnis sogar legal, aber auch um einfach den Weg abzukürzen.
Zum einen ärgerlich zum andern ein Glücksfall für uns. Ein Einheimischer kam euphorisch auf uns zugelaufen, er habe eine Schlange entdeckt. Wir also alle flott zu dem Platz und tatsächlich, halb von einem Baum verdeckt schlängelte sich ein schwarze, schillerndes Tier umher. Ich vermute eine kleine Anaconda oder doch eine Speicobra. Durch unsere Anwesenheit gestört verkroch sie sich schnell unter den Baum. Alles in allem große Aufregung.
Mein Highlight jedoch war die Vegetation.
Ich habe den bisher größten Baum in meinem Leben gesehen. Circa 70 Meter hoch und bestimmt ein Stammdurchmesser von 4 Metern.
Mutter Natur hat mich wieder einmal Demut gelehrt!

Donnerstag, 1. November 2012

Politikparty

Heute habe ich mein Feeling zum schreiben und auch die Zeit um euch mal wieder mit einer für mich doch interessanten Story zu beglücken. Auf geht’s!

Letzten Freitag, wir kamen gerade von unserem anstrengenden Fiel-Trip aus Maska wieder.
Ich wollte noch kurz ins Office. Hatte was liegenlassen. Medie und ich also fix mit der Karre hin.
Dort angekommen. Großes Treiben. Soda- und Bierkästen werden rumgetragen. Stühle aus den Autos geladen und ne bis dahin noch lebende Ziege angekarrt.
Wir also auf der Suche nach dem Grund unserem „Office-Garten“ einen Besuch abgestattet.
Der Grund war schnell gefunden. John war mal wieder da. Hierzu eine kleine Anmerkung, wenn John aus Kampala anreist, sind alle in heller Aufregung. Alle benehmen sich besonders gut, jeder ist auf den Beinen und irgendetwas passiert eigentlich immer wenn der Big Boss kommt.
So auch heute. Während John, Anita und zwei weitere mit unbekannte Menschen ganz relaxt auf Stühlen abhingen, ging es drumherum zu wie in einem Ameisenhaufen.
Natürlich wird der Muzungu direkt mal dazugerufen, „Setz dich“, „Hast du Hunger? Durst“, das übliche. Ich verneine. Danach erfahre ich das Programm für heute Abend.
John schmeißt ne Barbecue-Party im „Office-Garten“. Als ich Barbecue höre muss ich unweigerlich an den heimischen Grill denken und das meist von mir zubereitete Fleisch. Ich liebe es zu grillen!
John lud mich nicht ein, nein er gab mir den Auftrag (Befehl?), sobald ich mich fertig gemacht hätte hier aufzutauchen. Big Boss wiederspricht man nicht also stand ich 90 Minuten, für meine Verhältnisse, rausgeputzt im Office-Garten und musste feststellen, ich war wohl nicht der einzige der diese Order erhalten hatte.
Nahezu jeder Buwamer zwischen 20-30 Jahren war anwesend, ausgenommen die beiden VAD-Mitarbeiter Miva und Abdul. Ich informierte Abdul, aber er wollte nicht ohne offizielle Einladung von Big Boss oder Anita auftauchen verständlich. Für mich schon sehr verwunderlich und unverständlich, seine Mitarbeiter zu vergessen(?).
Also verbrachte ich den Abend mit meinen restlichen Fußballkollegen, vorallem mit Mage und Tony. Als erstes wurde der Schnaps ausgepackt. Anstoßen! Bond 7 und Waragin. Pur und schön warm. Falls meine Zungen und mein Rachen nicht weggeäzt waren, spüren tat ich nichts mehr.
So gingen die nächsten beiden Bier sehr fix runter. Anschließend erst einmal das frische Ziegenfleisch genießen. Salat oder Brot wie bei uns beim grillen gab es nicht dazu. Hier zählt nur Fleisch! Abdul ist übrigens der einzige mir bekannte Vegetarier hier. Ich kann mir vorstellen wieso.
So wurde dann der Abend mit viel Alkohol verbracht, es dauerte nicht lange und die ersten konnten sich nicht mehr auf den Beinen halten. Der Kampf um das verbleibende Bier war ausgebrochen und John war sich gezwungen für Nachschub zu besorgen um den dann umso verbitterter gekämpft wurde. Für mich sehr befremdlich. Aber wenn die meisten im wahrsten Sinne des Wortes sich tagtäglich durchschlagen und überleben, spielt Freibier nochmal ein ganze andere Rolle im tristen Alltag. Nach dem vielen getanze und getrinke wurde ich allmählich müde.
Als Mage und Tony dann begannen sich über den Grund dieser Party zu unterhalten wurde ich wieder hellwach. Insgesamt absolut gelungenes Fest, sehr gut Stimmung und echt schön.
Dennoch, nichts geschieht ohne Grund. So wie auch dieses Fest. John hatte diese jungen Menschen eingeladen um für sich Werbung zu machen. Ein positiven Eindruck zu hinterlassen.
In vier Jahren, noch vergleichsweise lang, dennoch John sammelt schon jetzt seine Wähler für die anstehenden Parlamentswahl. Ich selbst bin mit der Einstellung hierhin gegangen mich über die Politik zu informieren, jedoch in keinster Weise Einfluss darauf zu nehmen. Beziehungsweise niemanden im Wahlkampf zu unterstützen. Als Muzungu auf einer Wahlkampfparty bin ich aber schon ne ziemlich gute Werbung...
Nachdem John dann zu später Stunde noch ein paar Worte sagte, verließ ich die Party nachdenklich.