Donnerstag, 25. Oktober 2012

Ein Tag Deutscher

Der Wecker klingelt. Eigentlich ein guter Morgen, diese Sonne scheint, die Vögel zwitschern, wäre da nicht dieser verdammte Wecker... Okay eine Runde dösen. Der Wecker klingelt wieder.
Der Morgen ist noch immer gut, wäre da nicht dieser Wecker...
Ich stehe schlaftrunken auf.
Ziehe die Vorhänge zurück. Die Sonne scheint, es ist noch angenehm frisch, aber so hell.
Im Bad angekommen kippe ich mir Wasser ins Gesicht, erfrischend. Aber ziemlich kalt.
Auf dem Weg zum Office freue ich mich über meine Arbeitsweg, ein morgendlicher Spaziergang durch das langsam aufwachende Buwama, wäre der Weg nur nicht so schmutzig.
Im Office geht’s los zum Field Trip. Ich freue mich, hätte ich nur nicht mein Wasser vergessen.
An der Schule in Kitokolo angekommen erwartet uns schon ein Empfangskomitee, nahezu die ganze Schule begrüßt uns schreiend und lächelnd. Ein schöner Empfang, nur warum müssen sie so laut schreien?!
Auf geht’s mit der Primary 7, Steine abladen.
Körperliche Arbeit mache ich zwischendurch besonders gerne, ist eine gute Abwechslung zum Büroalltag. Trotzdem so heiß muss es doch nicht sein?
Auf dem Rückweg fühle ich mich gut, dieses Gefühl was vernünftiges getan zu haben. Aber die Schrammen und Wunden an meinen Händen schmerzen.
Auf zum verspäteten Mittagessen. Bohnen mit Reis, Matooke und Poscho. Hmm lecker.
Wie die letzten zwei Wochen...
Aufgrund unserer harten Arbeit belohnen wir uns mit dem verfrühten Feierabend.
Sch**** jetzt hab ich doch noch Zeit zu waschen vor dem Training.
Endlich auf zum Training. Endlich mal wieder genug Leute für ein Spiel über den ganzen Platz.
Aber warum begreifen die nicht wie man Pressing spielt oder die Abseitsfalle vernünftig einsetzt?!
Abends liege ich glücklich aber erschöpft im Bett.
Ich freue mich zu schlafen, wäre da nicht dieser eine Lichtstrahl der vom „Sicherheitslicht“ draußen durch mein Fenster genau auf mein Kopfkissen fällt.
Endlich, die Strombetreiber haben ein Einsehen, Stromausfall.
Jetzt kann ich beruhigt einschlafen. Kurz bevor ich ins Reich der Träume falle denke ich noch:
„Morgen lieber wieder Ugander, dann brauchst du nicht soviel rumzunörgeln...“

Montag, 22. Oktober 2012

Zuhause im Glück

Dieses Wochenende ist was großartiges passiert.
Nachdem ich letzte Woche mal bei John gefragt habe wie es denn in meinen Räumen so aussieht kam etwas verblümt, sinngemäß zurück „Ja hmm, zieh doch erstmal in die fertigen Räumen, dann seh ich das du es ernst meinst“. Ich stand erst einmal mit offenem Mund da... Er hat ziemlich viel Geld dafür bekommen, dass er die Räume herrichtet und jetzt will er erst einmal meinen Willen sehen, dass ich überhaupt in diese Räume ziehen will?! Aber nicht nur das, seit 2-3 Wochen herrschte Stillstand, hätte er mir das früher gesagt wäre ich direkt rübergezogen! Naja, this is africa.
Also hab ich dann dieses Wochenende meine sieben Sachen gepackt und mich auf in meine „Wohnung“ gemacht. Im Moment fertig sind mein Schlafzimmer und mein „Sitting Room“, so nennt sich hier das Wohnzimmer. Ohne Möbel ist es nur schwierig beide zu bewohnen. Ich hab die Preise mit einem lokalen Schreiner ausgehandelt und an Frank (meine „Entsende-Boss“) geschickt. Jetzt warte ich seit einer Woche sehnsüchtig auf sein „OK“ für die Möbel.
Mein Schlafzimmer ist besteht jetzt aus einem Bett, einem kleinen Tisch (den ich John abgeluchst habe), einem geliehenen Plastikstuhl, meinem Nachttisch (selbstgebaut aus „Müll“) und einem Haufen notdürftig zusammengekloppter Bretter, die als Ablage dienen.
Ich fühle mich rundum wohl:) Ist zwar keine Luxusbude, aber doch irgendwie amüsant, im Flur gibt keine Decke, sodass ich hören kann was in den beiden anliegenden Zimmern (die ebenfalls keine Decken besitzen), die von meinen Compound-Mitbewohner bewohnt werden, so vor sich geht.
Aus dem Zimmer von Betty hör ich relativ oft Musik, alte Pop-Klassiker, sehr geil! Aus Asumptahs Zimmer höre ich relativ oft den Fernseher, irgendeine schlechte Soap. In meinem Zimmer jedoch ist es ruhig. Da kann ich dann meine Musik hören:)
Demnächst soll noch ein Kleiderschränkchen, Vorhänge und ein Holzstuhl ins Zimmer. Dann ist mein Schlafzimmer fertig!
Mein Wohnzimmer ist im Moment komplett leer. Dort soll ein Plastiktisch zum Essen, eine kleine Sitzgelegenheit mit einem selbstgebauten Tisch und ne Wäscheleine rein.
Mein Küche ist im Moment ohne Wasser also unbrauchbar. Dort steht ein Tisch mit Spüle. Zusätzlich soll ein Regal da rein um für Essen und Geschirr einen Platz zu schaffen.
Mein Bad, wenn man es denn so nennen kann , besteht aus einem abgerissenen Duschkopf, vereinzelten Fliessen an den Wänden und einer Hakenleiste an der Wand.
Hier wirkt der georderte Handwerker hoffentlich noch Wunder.
Insgesamt gefällt mir meine Bude aber richtig gut. Hab sogar eine Mini-Veranda!:D
Wenn alles fertig ist, schmeiß ich erstmal ne Einweihungsparty. Ihr seid natürlich alle eingeladen.
Anreise muss selbst organisiert werden, für Essen und Getränke sorge ich;)

Mittwoch, 17. Oktober 2012

Bilder zum Brunnenbau

Die Schüler helfen kräftig mit beim Entladen unseres Trucks. Sie freuen sich schon über die physische Arbeit und den baldigen Brunnen

Abdul hilft mit! Der BWL-Student ist sich auch für körperlich Arbeit nicht zu schade:)

Keine Chance, der Truck steckt fest. Kein Wunder bei der "Straße"
Nicht nur ich staune über das was die beiden Handwerker in so kurzer Zeit geschafft haben!

Abdul mal wieder beim arbeiten, zugegeben, er versucht es eher, wirklich begabt ist er nicht;)

Dienstag, 16. Oktober 2012

Wasser für alle!

Um kurz nochmal auf die letzte Woche zurückzukommen.
Nach dem Independence Day verweilte ich noch eine ganze Weile in Kampala, ich hatte eine super Zeit mit den andern Freiwilligen. Tagsüber ein bisschen was erledigen und abends feuchtfröhliche Nächte. Daran könnte ich mich echt gewöhnen! Danke dafür;)
Aber jetzt zum eigentlich Thema!
Unser Brunnenbau-Projekt ist angelaufen! Yeah!
Am Sonntag durfte ich erst mal wieder mein Wochenende opfern, schon wieder nicht Mpanga-Forest, Mist. Sonntag ging es zu einer Schule deren bisheriger Brunnen leider verschmutzt und daher nicht mehr nutzbar ist. Das Problem ist das bei diesem Brunnen der Bau extrem schlampig und das System veraltet ist. Daher bauen wir jetzt einen vernünftigen.
Also die beiden Handwerker eingepackt und ab hin.
Natürlich direkt das erste Problem. Die Schule liegt zu hoch, sodass wir zwar in der Nähe bauen können aber ausserhalb des Grundstücks der Schule.
Also mussten wir erstmal den Besitzer des Landes anrufen und herbestellen.
Der dachte sich wohl kein Stress. Zwei Stunden später, die wir mit Mango-Essen (geil!) verbrachten, trudelte der junge Mann dann auch ein.
Er war nicht begeistert. Das Problem: Die Kinder würden beim Wasser holen immer ihre Spiele spielen herum laufen und seine direkt angrenzenden Food-Crops kaputt treten. Nach einstündiger Überzeugungsarbeit und dem heiligen Versprechen den Kindern „einzubläuen“ (keine Ahnung was sich der Direktor und die Chairperson darunter vorstellen...) sich vernünftig zu verhalten, willigte er ein.
Danach brachten wir die Handwerker noch zu ihrem Schlafplatz (den die Community, also die Dorfgemeinschaft stellt). Noch zwei drei Absprachen bezüglich wann wir die Materialien rüberbringen.
Heute hieß es also Materialien vorbeibringen. Als wir ankamen war ich baff. In den zwei Tagen hatten die beiden Handwerker, leider kaum unter Mithilfe der Community, ein gutes Stück Arbeit geleistet. Ein knapp vier Meter tiefes Loch mit einem Radius von nem guten halben Meter klaffte mitten im Maisfeld. Leider waren die beiden noch nicht auf Wasser gestoßen, heißt Tiefe verdoppeln. Nachdem wir uns ihre Klagen über die fehlende Mithilfe der Community anhörten und versuchten zu trösten hieß es unsere Steine abladen. Danach machten die beiden Schluss, wir fuhren noch eine andere Fuhre Steine, diese sollen angeblich den anderen Brunnen reinigen.
Nachdem wir den Fußweg dann versuchten mit unserem Kipplaster runterzukommen passierte das, was ich seit mindestens zwei Monaten erwartete. Wir blieben liegen, steckten fest. Es gibt doch Wege in Uganda die nicht mit dem Auto passierbar sind. YES, Vernunftswette gewonnen. Nachdem wir dann versuchten uns irgendwie wieder loszukriegen, das nächste Problem. Sprit alle. Ja mit dem Tanken ist das hier so ein Sache.
Also riefen wir unsern persönlichen Spritbesorger an. Wir luden die Steine dann ab und mussten leider noch gut eine Stunde warten. Übrigens hatte ich mein Wasser am morgen vergessen.
Ihr wisst alle was Durst ist. Ich weiß nicht mehr was ich gefühlt habe, aber Durst war nichts dagegen. Leider auch kein Shop in der Nähe. Naja ich habe es überlebt. Und wir sind ein gutes Stück weitergekommen. Geplante Fertigstellung des Brunnens Mitte der nächsten Woche. Ich bin gespannt.
Bilder folgen morgen!

Unabhängigkeit

Erstmal muss ich mich entschuldigen für die lange Sendepause.
Seit dem letzten Blog war ne Menge los und irgendwie kam ich in den letzten Tagen nicht dazu davon zu berichten, also will ich das jetzt mal tun.
Ich beginne beim vorletzten Montag den 8.10.2012. Ein besonderes Datum für die Bugander, ja ihr habt richtig gehört, die Bugander sind der größte Volksstamm hier in Uganda. Sie feiern ihren Unabhängigkeit, Wiederaufleben, Vereinigung, jeder hatte da seinen eigenen Grund. Auf jeden Fall feiern die Bugander an dem Tag. Aus dem Grund hatte mein Chef mit ordentlich Kohle ein Programm für seine Stammesmitglieder organisiert. Morgens fand ein Radrennen statt. Kaum zu glauben, aber wirklich wahr. Ein geile Sache, allen hat es Spaß gemacht, ich bin mit dem Auto hinterher um die einzusammeln deren Schrottmü... ähh deren Fahrräder die Tour nicht mitmachten.
Anfangs ärgerte ich mich noch, dass ich dem Wunsch meiner Kollegen nachgekommen bin mitzufahren. Nachdem wir die Strecke abgefahren sind danke ich allen Göttern, dass ich nicht zugesagt habe. Trotz des relativ frühen Starts (10:30 Uhr) hatte sich die Sonne gedacht „Heute hauen wir mal einen raus“. Ich vermute angenehme 30 Grad. Nach circa 2 Stunden war der erste im Ziel. Bei dem Affentempo das die Jungs vorlegten könnt ihr euch jetzt selbst denken wie lang die Strecke war. Nach der Siegerehrung bei der es ein Fahrrad für den Gewinner und massig Zubehör für die anderen gab, war der erste Programmpunkt abgehakt und die Stimmung perfekt für das anstehende Netball- und Fußball-Finale. So gingen alle fröhlich ihr Lunch einnehmen um sich dann pünktlich um 15 Uhr zum Beginn des Netball-Finals auf dem Feld einzufinden.
Um 14 Uhr dann der Stimmungskiller. Unsere Veranstaltung war im Vorfeld angemeldet und abgesegnet worden, sowohl von der bugandischen, als auch von der ugandischen Regierung. Nun fiel Museveni und Co aber ein „Ne das finden wir doch doof“ und verboten weitere Veranstaltungen am heutigen Tag. Die Begründung war schlicht, die Regierung wolle nicht, dass die Menschen ihren Stammesfeiertag feiern sondern den ugandischen Nationalfeiertag am 9.10.2012. Fakt ist, dass die ugandische Regierung die bugandsiche Führung zwar toleriert aber immer wieder gerne klarstellt wer die Macht und das Sagen hat. In meinem Kopf macht sich der Vergleich von zwei Geschwistern breit, immer wieder muss der große Bruder dem Kleinen mal eine mitgeben, damit der schon behält wer der Stärkere ist und das Sagen hat. Lächerlich. Aber leider nicht zu ändern. Der Tag wurde dann mit Frustsaufen beziehungsweise offiziell einer Privatfeier bei John, also bei mir auf dem Compound zu Ende gebracht. John hat natürlich alles bezahlt. So war es nicht verwunderlich, dass um 16 Uhr die ersten schon mehr als einen drüber hatten. Mich störte das überhaupt nicht, Betrunkene erzählen lieber die Wahrheit und reden generell mehr. So hatte ich einige interessante Gespräche über Politik, Situation von Dörflern und Bewohner aus Buwama und natürlich auch Spaß bei Dummheiten die dann veranstaltet wurden.

So weiter geht es mit dem Ereignis der Ugander dieses Jahr, am 9.10.2012 war es dann soweit, 50 Jahre Unabhängigkeit. Einiger meiner Mitfreiwilligen berichten über die politische und ökonomische Entwicklung Ugandas in den letzten 50 Jahren. Ich bin dazu zu faul. ;) Und verweise auf deren Blogs, Google oder wenn ihrs erzählt bekommen wollt auf meine E-Mail-Adresse;)
Ich fuhr schon frühmorgens nach Kampala um an dem Spektakel teilzunehmen. Trotz dieses Riesenereignisse wurde eigentlich nur in Kampala gefeiert. Meine Arbeitskollegen haben den ganzen Tag genutzt um zu chillen oder sich mit Freunden und Freundinnen zu treffen, gefeiert wurde ausserhalb Kampalas aber eigentlich nicht.
Dafür in Kampala um so mehr. Alles in schwarz, rot, gelb, ugandische Flagge halt. Die Mittelstreifen mit frischen Rollrasen ausgelegt. Eine Stadt putzt sich raus. Die große Feier fand dann im Independence Park statt auf der ein Stadionähnliches Gerüst aufgebaut wurde, Bühne, Tribüne usw. und sofort. Trotz der Warnung vor Terroranschlägen unserer netten Botschaft sind wir (einige Freiwillige hab ich in Kampala getroffen) dahin. Bei dem Polizei und Armeeaufmarsch hätte ich mir das zweimal als Terrorist überlegt. Nunja nachdem unsere Kameras der Eintritt auf das Gelände verweigert wurde, entschied ich lieber die Atmosphäre draußen zu geniessen, als mir das Gedränge und das Gerede der Staatsoberhäupter der Nachbarländer anzutun.
Highlight war eigentlich die „Flugshow“, drei Jagdflugzeuge trieben ihre Späße in der Lüfte und einige mal auch sehr, sehr, sehr nahe über dem Boden. Sodass Ohrenzuhalten nötig wurde. Die in Nationalfarben hinterlassenen Rauchfahnen hinterließen ein schönes Bild.
Insgesamt kann man sagen, dass die „Super-Feier“ im Independence Park eher uninteressant war, dennoch fand ich den Tag super, die Stimmung, die Atmosphäre, war schon echt was besonderes. Man kann halt nicht jedes Jahr 50 Jahre Unabhängigkeit feiern.
Kehrseite des Tages, im Vorfeld protestierte die Opposition mehrfach und forderte zum Boykott des Feiertages. Die Demos waren teil unangemeldet, sodass sie polizeilich und nicht gerade gewaltfrei aufgelöst wurden. Aus Sicherheitsgründen. So wurden dann auch etliche Oppositionsführer festgenommen und nach Fort Portal gebracht, aus Sicherheitsgründen...
Die Stimme der Opposition wird immer lauter, die vielen jungen gebildeten Menschen erheben ihre Stimme. Museveni hingegen veröffentlichte am Independence Day einen 10 Punkte Plan für seine nächste 50-jährige Amtszeit. Meiner Meinung geht das auf Dauer nicht gut.
Viele Leute sind Museveni mehr als dankbar, der bei ihnen als der Friedensbringer gilt. Dennoch zitiere ich hier einen guten Freund sinngemäß „Entwicklung funktioniert nur mit Veränderung, ob wir den Präsidenten wechseln sollten/müssen weiß ich nicht. Wenn dann aber friedlich“ Aber wie realistisch ist es das Museveni sein Amt trotz steigendem Unmut der Bevölkerung abgibt?
Ich lehne mich ganz weit aus dem Fenster und behaupte in 10-15 Jahren könnte es in Uganda richtig zur Sache gehen. Wenn die Älteren, die Musevenis „Befreiung“ noch miterlebt haben gestorben sind und die Stimme der jüngeren Bevölkerungsschicht lauter wird.
Ich könnte jetzt noch ausschweifen und eigentlich noch ein paar Fakten liefern, aber ich glaube dann wird’s langweilig für euch und meine Hände sind danach hinüber wegen des vielen Tippens. Wen das Thema interessiert oder wer diskutieren möchte, ihr habt meine Mail-Adresse;)

Freitag, 5. Oktober 2012

Freuden und Leiden im Alltag

Dank netten Menschen werde ich ja regelmäßig daran erinnert meinen Blog zu aktualisieren (Liebe Grüße an Bene, ich vermute die andern Blog-Leser/innen danken dir dafür;)).
Wie der Titel schon sagt berichte ich euch heute über meinen inzwischen eingekehrten Alltag.

Mein Tag beginnt meist so gegen 8 Uhr. Meist muss ich mich aus dem Bett quälen, kommt drauf an ob ich den Abend zuvor ein Barbesuch oder ein Champions-League-Spiel stattgefunden hat (die beginnen hier dank der Zeitverschiebung immer erst um 21:45 Uhr :/).
Meist ohne Frühstück aufgrund von zu wenig Zeit bzw. fehlenden Hungers geht’s dann so gegen 9 Uhr ins Office. Dort angekommen bin ich meist erst mal mit Abdul alleine. Wir unterhalten und scherzen miteinander, oder aber ich schreibe Postkarten bzw. plane meine Ferien- und Wochenendausflüge.
Um 10 Uhr treffen dann meist die restlichen Office-Mitarbeiter ein. Dann beginnt der Austausch der gestrigen Ergebnisse auf Luganda. An dem Punkt ziehe ich mich dann meist zurück und beginne an meinem Laptop zu arbeiten. Meine momentane Arbeit besteht aus der Informationsbeschaffung für meine beiden Projektideen, dazu mehr sobald sie abgesegnet und aktuell sind. Demnächst wird zu meinen Aufgaben auch das erstellen und aktuell halten einer Facebook-Seite über VAD gehören.
Dafür werde ich demnächst zwei Reisen unternehmen, eine zum Headoffice in Kampala und die andere zur anderen Außenstelle nach Wakiso.
Wie dem auch sei. Mein Akku hält meistens so zwei Stunden und ist kein Strom vorhanden sowie die ganze letzte Woche bis gestern, habe ich dann nichts mehr zu tun.
Nun entscheidet sich ob ich meine volle Arbeitszeit ausschöpfe oder nicht. Steht ein Field-Trip an, geht es meist um diese Zeit los. Andernfalls werde ich im Normalfall dann nach Hause geschickt.
Die Field-Trips sind eigentlich ganz angenehm, ich komme raus und sehe viele Dinge und lerne die wirklich ländliche und daher meist arme Bevölkerung kennen. Meist wird unsere Arbeit mit irgendwelchen Früchten der Leute vergolten. Sehr geil! Zuckerrohr, Manogs, Ananas, Melone, Erdnüsse was halt gerade so reif und griffbereit ist. Das wird dann meist auf der Rückfahrt oder im Office verspeist. Meist ist es dann so fünf Uhr und für mich heißt es dann ab nach Hause, auf dem Rückweg fix einkaufen.
Steht kein Field-Trip an geht es einkaufen, manchmal koche ich mir dann was zum Lunch und erledige Hausarbeiten wie zum Beispiel waschen, inzwischen kann ich es zwar ganz gut, mindestens so gut wie die Waschmaschine, dennoch hasse ich diese Arbeit! Ich sehne mich nach einer eifrigen Waschmaschine, die auch ohne mein Zutun die Klamotten sauber werden lässt.
Gegen fünf Uhr heißt es dann entweder ab nach Hause vom Office oder schnell umziehen um pünktlich auf dem Fußballfeld zu stehen.
Das Fußballspielen gehört zu den Highlights (Martin weiß was ich meine ;D), auspowern Spaß haben und in Kontakt mit den andern kommen. Kann ich nur jedem Fremden empfehlen, Sport bringt Kontakte und macht Spaß. Danach geht es dann nach Hause kochen. Mal ist das Verzehren ein Schmaus mal ein Graus, je nachdem was ich ausprobiere und wie es klappt:P Aufgegessen wird aber immer!
Anschließend ist dann meist die Zeit reserviert für den Kontakt mit den Lieben Menschen zuhause. Oft findet man mich um die Uhrzeit chattend bei Facebook oder bei Skype.
Die Abendgestaltung ist abhängig von den Gegebenheiten und meiner Laune, „will ich ein Bier?“ ab in die Bar. „Läuft CL?“ Ab in die Cinema-Hall. „Ist irgendwas besonderes?“ Nichts wie hin.
Steht nichts an falle ich gegen zehn Uhr todmüde in mein Bett, ansonsten wird die Nacht kürzer und der nächste morgen noch ein wenig quälender.

Samstag, 29. September 2012

Tiefe Trauer und pure Lebensfreude

Wie gesagt wollte ich ja noch auf zwei aktuelle Ereignisse eingehen.
Vorgestern am Mittwoch waren wir mit nahezu dem gesamten VAD-Staff bei gleich zwei Beerdigungen. Anita die Chefin des Offices wurde tags zuvor angerufen, dass zwei unserer Klienten verstorben seien. Mir berichtete man 5 Minuten vor Abfahrt und fragte ob ich mitkommen wollen würde. Ich war hin und hergerissen, Jeans und T-Shirt, nicht gerade angemessen. Aber wie alles hier in Uganda „No problem“. Also fuhr ich mit. Dennoch mit einem mehr als schlechten Gewissen. Ich kannte beide nicht, war dennoch total neugierig ob ich wieder so ein Szenario wie vor ein paar Wochen erleben würde. Ich fühlte mich als Schaulustiger bei einer Beerdigung (!) ein mehr als unangenehmes Gefühl.
Als wir auf der ersten Beerdigung ankamen waren bereits um die 100 Leute anwesend. Medie und Abdul ließen es sich nicht nehmen auf der Hinfahrt Witze zu reißen, „Leon did you know that if there is a Muzungu coming he needs to lie the dead man in his grave?“. Das erste was die beiden mir zeigten war das ausgehobene Grab (übrigens auf dem persöhnlichen Familienfriedhof zehn Meter vom Haus entfernt). Als ich feststellte, dass das Loch gerade mal einen Durchmesser von circa 50cm mal 50cm hatte wunderte ich mich, ob die Ugander die Leiche sozusagen ins Grab stellen. Dann fiel mir jedoch auf, dass das Loch gerade mal ein Meter tief war. Ugander sind klein, aber nicht soooo klein. Auf meine Nachfrage erfuhr ich dann, dass Anita bei dem Telefonat etwas Missverstanden hatte. Die Tochter des Klienten war gestorben. Ein Jahr alt ist die kleine Nalongo geworden. Mir wurde schlecht.
Unter einem Zelt wurde dann die kirchliche Zeremonie begonnen. Ich musste in die erste Reihe. Während der Zeremonie wurde der Sarg direkt vor meine Füße gestellt. Der Deckel war halboffen zeigte aber glücklicherweise mit geschlossener Seite zu mir. Jetzt wurde mir auch bewusst woher die bisherigen Geräusche kamen, der Sarg wurde aus dem Haus getragen direkt dahinter die Mutter und vermutlich die Oma, vollends aufgelöst und bitterlich am weinen. Während der Zeremonie sah die Mutter immer wieder in den Sarg und fing wieder an zu weinen. Nach der Predigt hieß der Bruder des Vaters und der Vater selbst den VAD-Staff und mich explizit willkommen, „You are most welcome Sir, we are so happy to see you here giving my daughter the last bless.“
Irgendwann war die Zeremonie dann vorbei und vier Männer trugen den Sarg in Richtung Grab, wir stiegen ins unser Auto und fuhren zur nächsten Beerdigung.
Dort angekommen, standen wir circa eine Stunde am Eingang des Grundstücks tranken Soda und fuhren dann wieder ohne an der Zeremonie teilzunehmen. Anita war hungrig und wollte los was essen. Abdul wollte zum Fußballtraining. Kurz bevor wir losfuhren wurde uns allen noch schnell ein voller Teller Essen ins Auto gereicht. Ich kam mir vor wie ein Schmarotzer.
Abdul erzählte mir, dass Beerdigungen immer um 14 und um 16 Uhr stattfinden, also der Teil in dem der Pfarrer/Priester die kirchliche Zeremonie beginnt.
Die Stimmung auf der Rückfahrt war schon wieder großartig. Wir nahmen den Pfarrer mit zurück, alle witzelten über irgendwelche Dinge und aßen ihr Essen. Ich gab den Teller weiter.
Ein wenig glücklich war ich darüber, dass es doch noch Menschen gibt die den Tod betrauern. Dabei handelt es sich im Normalfall aber nur um die näheren Angehörigen. Auf beiden Beerdigungen wurde nebenbei auch gescherzt und gelacht. Entfernte Verwandte und Arbeitskollegen wie wir interessiert der Tod nicht wirklich. Ist wohl zum Alltag geworden.
Ich weiß nicht ob ich das nochmal mitmachen möchte. Zum einen freut es mich vielleicht ein wenig Trost den nahen Angehörigen zu schenken (dem ist so auch wenn ich es nicht verstehe), aber dann müsste ich auch immer wieder feststellen wie egal es meinen Mitmenschen ist. Das belastet mich schon sehr.

Ich möchte mal wieder mit einem fröhlicheren Thema euch aus meinem Blog entlassen.
Deshalb erzähle ich nun von der im Moment hier stattfindenden Kirmes oder Jahrmarkt wie auch immer. Dienstag war ich das erste mal zu einer Aufführung mit Ronie dort. Auf der Bühne trat ein durchaus bekannte Musikgruppe auf, daher war der Eintritt für ugandische Verhältnisse äußerst teuer, umgerechnet 1,30 €. Doch war das ganze nicht wirklich ein Konzert sondern eher sowas wie ein Sketch-Musical. Es gab keine Story sondern immer wieder kleiner Sketche passend zu den Liedern. Etwas eintönig, weil es immer darum ging wie krieg ich das Mädel rum und wie finden wir unsere gemeinsame große Liebe. Ob in der Disko, auf der Arbeit, beim Einkaufen oder sonstwas. Die Intention war immer dieselbe, Liebe und Sex, ja die sonst sehr prüde ugandische Gesellschaft fand Freude an diesem Musical. Das ganze war Open-Air, Stühle konnten gemietet werden und der gesamte Platz war brechend voll. Durch die meist lustig angehauchten Sketche brach das Publikum sehr oft in Gelächter aus. Ronie und ich waren ungefährt um 20:30 Uhr dort um 23:30 Uhr wurde ich dann müde und fragte Ronie wie lange es noch dauert. Er erklärte mir bis 2 Uhr. Danach verabschiedete ich mich und fragte mich ernsthaft wie die Ugander das durchhalten. Bis 2 Uhr feiern und um 7 Uhr aufstehen. Da zeigt sich wieder der „Weak Muzungu“. Um 3:15 Uhr wachte ich in meinem Bett auf und hörte das Musical immernoch.
Doch ist das nicht das einzig interessante auf der Kirmes hier.








 
Heute waren wir (VAD-Staff) dann bei zwei weiteren Attraktionen, natürlich während der Arbeitszeit. Zum einen sahen wir das Reptilien-Village bestehend aus sechs Gehegen und der angeblich größten Anakonda auf der Welt, typisch ugandisch, ne glatte Lüge.

















Außerdem gab es ein Puppenspiel zu bestaunen. Durchaus interessant mit einer komplett wirren Story die auch für Menschen die Luganda beherrschen absolut sinnfrei ist. Mir hat dabei am besten die gespielte Live-Musik gefallen, die Jungs an den Trommeln und Rasseln gaben ihr bestes und konnten unglaublich schnell spielen.
Nach 15 Minuten, 2 schwitzenden Puppenspielern, 6 triefend nassen Musikern und einem angeheiterten Publikum war die Show dann auch wieder zu Ende.







Doch hat die Kirmes noch mehr zu bieten. Überall gibt es kleine Stände an den Klamotten und Schmuck verkauft werden und auch der Zocker kommt auf seine Kosten.
Ob Würfelspiele oder Geschlickkeitsspiele, wer Glück und Können unter Beweis stellt, gewinnt.
Das Würfelspiel habe ich nicht begriffen, ich glaube man setzt auf die vier verschiedene Farben (Kreuz, Piek, Herz, Caro) und wenn der Leiter deine Farbe würfelt verdoppelst du deinen Einsatz. Ob die verbleibenden Seiten mit weiteren Farben versehen oder Nieten sind weiß ich nicht.
Beim Geschicklichkeitsspiel handelt es sich um sowas ähnliches wie Hufeisen werfen. Hierbei hat man einen Ring und muss entweder den Ring so werfen, dass er die heiß begehrten Bierflaschen einzwängt oder man schafft es um einen Stein der einen gewissen Geldbetrag verspricht.
Bei beiden Spielen habe ich Ronie gefragt wie gut meine Chancen stehen, er meinte ich hätte keine Chance. Ich hab mich auf eine Wette eingelassen. Morgen werde ich das Ringwerfen versuchen. Schaffe ich es ne Flasche Bier zu gewinnen verdoppelt er meinen Gewinn. Andernfalls muss ich ne Runde schmeißen. Finde ich durchaus fair. Ich hab mich zwar innerlich schon vom Gewinnerbier verabschiedet aber ich gebe mein Bestes. Ich berichte wie es ausgeht.

So diesmal füge ich die Bilder ein, leider ist das hier nicht so möglich wie ich das gerne hätte. Aber die Bilder sehr ihr ja auch so;) Ich hoffe ihr versteht, dass ich auf den Beerdigungen keine Bilder gemacht habe.

Damit ein schönes Wochenende, wünscht
Leon

Donnerstag, 27. September 2012

Höhen und Tiefen

Erstmal möchte ich mich für die lange Zeit ohne Neuigkeiten entschuldigen. Ich brauche immer so ein wenig die Lust zum schreiben, die hat mir in der letzten Woche leider gefehlt. Aber heute will ich euch wieder berichten wie es mir in der letzten Woche ergangen ist.

Angefangen bei der Arbeit der letzten Woche. Nachdem wir weitere 200 „Zementkuchen“ gebacken hatten waren wir (Ich und die beiden angeheuerten Handwerker) fertig mit unserer Aufgabe für die Woche.
Donnerstag zogen dann Buwama United mit einer 30 minütigen passablen Leistung von mir, locker ins Finale des momentanen Turniers ein. Das Finale ist am Sonntag, also Daumen drücken.
Am Freitag ging es dann gut gelaunt nach Kampala. Eigentlich sollte es ein schönes Abschiedswochenende für Martin werden, der sich entschieden hat abzubrechen und momentan schon wieder zuhause in Deutschland ist (vorgestern zurückgeflogen, hiermit liebe Grüße an dich, lieste ja eh;)). Trotz unseres tollen Programms kam bei mir keine dauerhafte Gute Laune auf. Die gechillte Runde am Freitag in Freiwilligen-Runde war zwar sehr entspannend. Doch hatte mich da schon eine Hiobsbotschaft erreicht. Auch den Samstag verbrachten wir eigentlich sehr angenehm. Martin und ich besuchten den Ovinio-Market und abends ging es dann zu einem Musikfestival. Ein super Abend an dem ich jegliche Sorgen vergessen konnte. Dort lernte ich neben zwei Deutschen auch weitere Ugander kennen. Sonntag begann ich mich dann mit der freitägigen Hiobsbotschaft zu beschäftigen.
Es gab Probleme mit meinem Visum. Keiner wusste was los ist, niemand hatte Unterlagen von mir, ich war durchaus begeistert. Als Hendrik unser Verantwortliche dann vorbeikam und uns erzählte er wisse auch nichts, wollte ich eigentlich Montag ins Immigration, entschied mich dann jedoch doch dagegen, weil ich bis dahin überhaupt nicht wusste wohin und wie das abläuft. Hendrik regelte das dann am Dienstag für mich. Der Antrag war wohl erst angenommen und danach war dann doch aufgefallen, dass da ein Dokument fehlt. Das Dokument habe ich nun nachgereicht, ich hoffe ich kann mein Visum demnächst abholen.
Diese Sorgen begleiteten mich übers Wochenende und brachten mir auch die Woche hier eher Sorgen als Gute Laune. Nun könnte man meinen, alles geklärt, alles paletti. Momentan fühle ich mich aber nutzlos, ich hinterfrage andauernd den Sinn meines Hierseins. Meine Orga gibt sich wirklich Mühe mit mir, aber hier gibt es meiner Meinung nach einfach keine Arbeit. Ein Freiwilliger ist hier im Prinzip überflüssig. Das mein eigentlicher Chef in Kampala im Büro sitzt macht die Sache nicht leichter. Jetzt suchen alle händeringend nach Arbeit für mich, ich übrigens auch. Als Assistant Teacher, als Fußballcoach (John meinte ich soll zur Botschaft um nach Geld für Materialien fragen...) oder sonstwas. Morgen soll es dann los gehen um die Löcher für die Brunnen zu buddeln.
Gestern ging es am nachmittag zu zwei Beerdigungen. Auch nicht gerade Stimmungshebend. Aber ich kann meinen anfänglichen Eindruck vom Tod ein wenig revidieren. Beerdigungen werden hier riesig groß gefeiert. Aber darauf komm ich in einem eigenen Post demnächst zurück.
Ansonsten habe ich die Woche nichts getan ausser Postkarten geschrieben und im Internet gesurft.
Mit Martins Rückreise ist natürlich eine weitere Bezugsperson jetzt weg, ich akzeptiere seine Entscheidung natürlich und manchmal erwische ich mich selbst bei dem Gedanken daran „Hey in 24 Stunden könntest du eine heiße Dusche haben und einen Döner essen!“. Obwohl mir Uganda im Prinzip gefällt und meine Freizeit auch echt abwechslungsreich und schön ist. Über die Hälfte meines Tages (offiziell von 8-17 Uhr) arbeite ich nunmal oder würde ich gerne arbeiten.
Ich hoffe jetzt am Wochenende finde ich meine gute Laune und Gelassenheit zurück. Morgen abend mache ich die „Kirmes“ die momentan hier in Buwama halt gemacht hat unsicher. Am Samstag will ich ins Krokodil-Camp und am Sonntag ist ja das Finale. Immerhin meine Wochenenden sind eigentlich meist mit Aktivitäten gefüllt.
Dennoch möchte ich, dass ihr euch keine Sorgen macht;) Physisch geht es mir gut. Ich überlebe meine zwischenzeitlichen Kochkatastrophen und genieße die eine oder andere Delikatesse die ich zubereite. Also haltet die Ohren steif. Liebe Grüße vom Dickkopf Leon

Sonntag, 16. September 2012

Ein Wochenende Kindheit

Dieses Wochenende war durchaus interessant, nachdem ich die ganze Woche mehr oder minder beschäftigt war wurde ich am Wochenende „entschädigt“.
Mein geliebtes Organisationsteam hat es in den letzten beiden Wochen nicht geschafft den am Freitag gekommenen Handwerkern Zement und Sand zur Verfügung zu stellen. Da ich selbst endlich mal was tun wollte habe mich freiwillig gemeldet (so wie das immer sein muss, damit ich was machen darf) beim produzieren der Steine, die wir für den Bau der Brunnen benötigen, zu helfen. Nachdem dann eigentlich am Freitag im Laufe des Tages die Materialien besorgt werden sollten, sodass wir schon anfangen können, wurde es 17 Uhr, ohne Materialien. Anita versicherte mir morgen wären die Materialien da und teilte mich ohne Hinweis oder Fragen fürs Wochenende zum arbeiten ein. In meinem Vertrag steht ja eigentlich Montag bis Freitag... Naja ich nahm es ohne murren hin, bin ja schließlich ein Freiwilliger und arbeite freiwillig, auch am Wochenende.
Natürlich genossen meine Mitarbeiter ihr Wochenende Abdu kam wenigsten mal vorbei um mir beim arbeiten zuzusehen und mentale Unterstützung zu leisten.
Eigentlich wäre das ja alles nicht so schlimm gewesen, aber 7 Uhr anfangen bedeutet für mich 6 Uhr aufstehen, das bin ich nicht gewohnt und das mag ich gar nicht!
Aber ich muss sagen, die physische Arbeit hat Riesenspaß gemacht, endlich mal wieder Armmuskulatur benutzen, die kommt beim Fußball ja leider zu kurz.
Die beiden Handwerker waren sehr angenehme Mitarbeiter, mit dem einen habe ich mich lange über Fußball, Deutschland, deutsche Frauen und natürlich die reichen Deutschen unterhalten.
Ich habe ihm versprochen eine reiche, hübsche Frau zu suchen, falls jemand interesse an dem 23-jährigen, attraktiven jungen Mann hat, gerne bei mir melden;)
Zurück zur Arbeit, ich erinnerte mich stark an meine großartige Sandkastenzeit!
Nach dem Zement, Sand und Wasser vermischt waren, natürlich ohne Betonmischer, hier kommt die gute ugandische Handarbeit zum Vorschein, ging's ans „Kuchenbacken“.
Wer hat in seiner Kindheit keine Förmchen mit Sand gefüllt und es als Kuchen verkauft? Ich hab es jahrelang mit großem Spaß betrieben. Den Zement in die vorgesehen Förmchen füllen, ein bisschen festdrücken, in dem Falle mit einem Stock drin rumstochern, sobald das Förmchen voll ist mit der Schippe den Zement festhauen und das Förmchen vorsichtig hochziehen, sodass das Küchlein nicht kaputt geht. Das ganze 230 Mal und ihr habt eine Vorstellung was ich dieses Wochenende so getrieben habe. Übrigens Samstag im strömenden Regen und Sonntag im prallen Sonnenschein (Sonnenbrand im Nacken).
Dennoch ein super Wochenende, wenn man nachmittags/abends nach Hause kommt und einfach kaputt ist, ein gutes Gefühl. Beim Gedanken an die damaligen spaßige Sandkastensession im heimischen Garten vergisst man auch jeglichen Muskelkater in Armen und im Rücken!:)

Mein Aufenthalt in Bildern

Unterhalb dieses Posts könnt ihr nun meinen bisherigen Aufenthalt in Bildern bewundern.
Beginn ist die Eingewöhnungsphase in Kampala bis fast heute, dass letzte Bild ist letzten Montag entstanden, ihr seid also sehr „up to date“.

In den Wochen hier ist mir aufgefallen, dass ich viele alltägliche Dinge gar nicht wusste, als erstes Mal habe ich gesehen woher ne Ananas kommt. Fand ich schon extrem erschreckend wie dumm ich war und bin. Deshalb habe ich mir gedacht stelle ich euer Wissen mal auf den Prüfstand, wenn ich was unbekanntes sehe poste ich das Foto davon und ihr könnt mitraten worum es sich handelt. Bin mal gespannt ob ihr schlauer seid als ich, die ersten beiden Fragen findet ihr in der vorangegangen Bilderfolge. Einfach kommentieren;)




Der Straßenverkäufer neben unserem Hotel, die "Brötchen" werden mal Chapatis.
Die nächstgelegene "Boda-Station", natürlich nicht ausgeschildert oder so.
Im Hintergrund die Bus-Station und das übliche Chaos am Eingang
Der gemeinsame Spaziergang durch die Gassen, nicht nur für uns ein Erlebnis, leider ein bisschen verwackelt, aber die Enge erkennt man oder?

Besuch bei einer Orga in der Nähe Kampalas, im Bild ein Bottle-House
Alltag in der Straße unseres Hotels, Williamstreet
Der ganz normale Wahnsinn im Straßenverkehr
Ovinio-Market, danke an alle Kleiderspenden des Roten Kreuzes hier werden die Waren verkauft...


In Buwama angekommen, die ersten Bekanntschaften
Die beiden Mädels von meinem Compound, die rechte ist seit zwei Wochen in der Secondary School und wohnt daher nicht mehr dauerhaft hier
Der erste Field-Trip, die ersten Kinder, das erste Spielzeug, mit Stock wird der Reifen auf Touren gebracht, die Kinder selbst laufen nebenher
Alltägliches trocknen des Mais in den Dörfern
Quiz-Frage Nr.1: Wer weiß was das ist?
Unser Field-Shuttle, mit ihm kommen wir überall hin, über jeden Stock, über jeden Stein, durch jede Pfütze und wenn es sein muss auch über den ein oder anderen Strauch
Hart am arbeiten mit den Valuation-Membern, Posing am Lake Victoria
Anderes Dorf, andere Aufgabe, selber See
Zwischen der vielen "Arbeit" ist immer genug Zeit für den Spaß/Kultur/Abenteuer, übrigens bin ich nicht der einzige der derlei DInge geniesst, die Ugander kennen ihr Land gar nicht habe ich das Gefühl...
Langeweile im Büro, stöbern in den Umzugskartons und Schränken und ein mehr als witzigen Fund gemacht:D
Ich in der Konzentrationsphase vor meinem ersten Spiel für Buwama United, Abdu am Posen
Field-Trip, Food-Crop vs. Cash-Crop, falls meine ehemaligen Erdkundelehrer das lesen, liebe Grüße, ich hab was gelernt! Quiz-Frage Nr. 2: Wer weiß was das für Pflanzen hier sind?



Freitag, 14. September 2012

Wer kocht lebt gefährlich

Nachdem ich auf viele Antworten, was das kulinarische Anging in denen andauernd dieses „In Fett gebacken? Wirst du davon nicht dick?“ stand (übrigens nein, bisher habe ich glaube ich abgenommen, die Hosen rutschen), hab ich mich dazu überwunden in der „Gemeinschafsküche“ zu kochen. Ich versuche es zeitlich immer abzupassen, dass ich der einzige dort bin, um mich nicht zu blamieren. Der Muzungu ist schon komisch genug mit seinem Gas-Herd!
Im Prinzip ist kochen echt super, man kann das kochen was man will und hat keine Richtlinien wann, wie, wo, man muss ja erst kochen wenn man selber Hunger hat.
Ich experimentiere viel rum und muss dann im wahrsten Sinne des Wortes die Suppe nur selbst auslöffeln. So ging es mir, nachdem ich mein erstes mal meine Hassliebe Reis mit Tomatensauce kochte. Der Reis war noch... nennen wir es körnig, die Tomatensauce aufgrund des passierten Tomaten aus der Dose sehr sauer.
Bei besagtem Gericht erlitt ich auch die ein oder andere Wunde.
Hat schon mal jemand versucht eine Konserve ohne Dosenöffner nur mit einem besseren Taschenmesser zu öffnen? Ich kanns nicht empfehlen, ein verbogenes Messer und einen halben Finger später hatte ich besagt Konserve dann offen. Nachdem ich notdürftig meinen Finger wieder drangeflickt hatte (Danke für das Nähzeug Elvira!) musste ich natürlich immernoch den Herd bedienen.
Ich also los mit meinem Topf Reise und meiner Sauce. Gashahn auf, versuche die Gasplatte anzuzünden. "Tschschsch" eine ein Meter hohe Stichflamme beziehungsweise nicht Stichflamme, sie blieb weiter so am brennen. Ich schnell den Gashahn zu, nachdem das Feuer erloschen war bemerkte ich das Problem. Der Gasschlauch war hinten am Herd aus der Öffnung geflutsch, sodass er nun frei rumpendelte und das Gas ohne Regulierung austreten konnte. Nachdem das Problem behoben war musste ich mich erstmal um meine Verbrennung 11ten Grades kümmern. Übrigens an die Frauenwelt, meine Hand und mein Arm sind jetzt glatt wie ein Babypopo, nicht ein Haar, vielleicht solltet ihr es mal mit einer schönen Gasflasche versuchen wenn es um die lästige Beinbehaarung geht;) Nachdem ich fertig gekocht hatte konnte ich mein Mahl dann „geniessen“. Trotz der ein oder anderen Panne hat sich das Kochen nun fest in meinen Alltag eingegliedert! Ihr könnt stolz auf mich sein!

Wem es nicht aufgefallen ist, ich nutze in diesem Text die sagenumwobene Übertreibung.
Mein Finger hält auch ohne Faden an der Hand und meine Verbrennung elften Grades fühlt sich wie ein leichter Sonnenbrand an. Also alles locker vom Hocker und damit liebe Grüße
Leon

Dienstag, 11. September 2012

Der Tod kommt krass

In letzter Zeit verfolgt mich der Tod so ein wenig habe ich das Gefühl und der schock über die Reaktionen sitzen tief.
Harmlos fing es letzten Donnerstag an, mein größter WG-Mitbewohner Gecko: Flitzi (ich habe ihn so getauft weil immer wegflitzt wenn er mich sieht) lag Tod neben der Toilette. Ich ein wenig traurig gestimmt, während MamaCindy, die Maid des Compounds lacht und scherzt er wäre am Gestank gestorben. Makaber...
Am Freitag auf meiner Fahrt nach Kampala habe ich dann den ersten Tot miterlebt bzw. das Resultat. Kurz vor Mpigi hat es einen Boda-Fahrer wohl von seiner Maschine geschmissen. Der Grund ungeklärt. Ein riesige Traube bildete sich um den mit einem zerschlissenen Tuch abgedeckten Toten. Gut ich gestehe ich habe in Indonesien schonmal einen Verkehrstoten miterlebt auch dort hat sich niemand so wirklich daran gestört, wage ich jetzt mal zu beurteilen.
Aber hier bin ich irgendwie schockiert. Direkt neben dem Toten beginnt die Menschenmasse zu diskutieren. Meine im Matatu mitfahrenden Reisenden erklären so gut es geht. Ein paar Boda-Fahrer diskutieren was passiert ist wer Schuld ist. Eine andere Diskussion geht darum ob und wer die Verwandten sind und wer die jetzt holen geht oder nicht.
Aber der Knaller kommt noch. Zwei relativ junge Menschen streiten sich beide die Hände am Boda um das Motorrad des Toten. Ob die Leichenstarre überhaupt schon eingesetzt hat wage ich zu bezweifeln. Grotesk! Auf der Weiterfahrt im Matatu, die Stimmung heiter. Man witzelt über tragische Unfälle und jeder erzählt die tollste Verkehrsunfallgeschichte die er kennt. Ich schweige den Rest der Fahrt.
Eine dritte Story habe ich aber noch. Gestern als wir im Team-Meeting sitzen klingelt Anitas Telefon. Nachdem Telefonat geht es erstmal thematisch weiter bis sie dann beiläufig mir gegenüber erwähnt, dass ihre Oma gestorben sei. Ich versuche mein Beileid auszudrücken, gar nicht so einfach auf Englisch wenn man ein bisschen mehr als „Sorry“ sagen will. Sie winkt ab, „No Problem, she was old!“ Mein Kumpel Abdu setzt dem ganzen die Krone auf als er Anita scherzhaft 100 Schilling für das Begräbnis zuwirft. Nach dem Meeting verabschiedet sich Anita genervt und meint sie müsse jetzt auch noch das Begräbnis organisieren. Frei nach dem Motto: Ich hab ja nichts besseres zu tun.

Ich bin irritiert, schockiert und ein wenig angewidert. Das ein Menschenleben hier weniger bedeutet war mir klar, aber wie wenig, finde ich erschreckend.
Ich frage mich wie sie reagieren wenn ich nen Sarg bräuchte? Ob meine Hautfarbe ihnen auch dann mehr Trauer ins Gemüt schreibt. Ich hoffe nicht!

Samstag, 8. September 2012

Befriedigung eurer VIsuellen Bedürfnisse

Hallo Bloggemeinde,
wie ihr seht habe ich das ein oder andere Foto hochgeladen, leider etwas hektisch, deshalb sind sie etwas ungeordnet. Das liegt daran, dass ich in einem Cafe war in dem es, oh Wunder, einen Hotspot gab. Für zahlende Kunden wurde dann eine zeitlich begrenzte Verbindung zur Verfügung bereitgestellt für 5000 oder 10000 UG-Schilling für Waren des Cafes gab es dann 30 Minuten. Ohne MB begrenzung, dass bedeutet, dass ich da saß wie ein Irrer mir die wichtigsten Programme auf meinem Laptop geladen hab und in aller Eile nebenbei Dinge hochgeladen habe, Mails mit Anhang versendet und all so nen Kram den man macht wenn man mal Internet hat, für das man selbst nicht zahlen muss. Endlich auch mal bei Facebook, Bilder meiner Freunde angeguckt, Bilder anzeigen hab ich sonst ausgestellt der Datenkapazität wegen, und nebenbei einen Eistee getrunken und einen richtigen Hamburger mit richtig leckerem Hackfleisch gegessen. Ein Hochgenuss. Nur für den Geldbeutel leider nicht. Für 10 Euro einen Burger mit Pommes und zwei Eistee, hier absoluter Wucher. Aber für europäisches Essen und in dem Ambiente muss man leider tiefer in die Tasche greifen. Für euch in Deutschland nicht verständlich ich weiß, ich bin dennoch sauer nicht vorher auf die Karte geguckt zu haben, dass ich mich vom Hotspot hab verführen lassen.
Naja um euch ein paar Bilder geben zu können greif ich dann aber auch mal gerne tiefer in die Tasche;)
Endlich hab ich auch Skype runtergeladen, mailt mir doch zwecks Kontaktdaten zum adden. Dann kann Leon auch mal nach Hause telefonieren;)
Grüße aus meiner Unterkunft in Ndungonson bei Kisaasi, Kampala;)

Freitag, 7. September 2012

Gott überall;)
Kein Schwein steht auf Rassismus!

!!!!!!!!!!!!!

Beides begegnet mir hier nicht wirklich...

Deshalb unterstützen wir Schulen mit Zement

Könnt ichg doch nur schweißen...
                                         



Made in Germany and installed from a German!

Mein Office: "P.O Box 143 Buwama", ist die Adresse!

VAD-Staff

Meeting mit einer Frauengruppe aus einem Dorf

Mittwoch, 5. September 2012

Et läuft

Heut war mit Abstand der beste Tag seit ich hier in Buwama bin!
John, mein Chef, von dem ich zwar immer noch nicht wirklich weiß was ich halten soll, hat heute ein Meeting mit dem ganzen VAD-Staff aus Buwama veranlasst. Endlich.
Es wurde geplant und zwar so bis Jahresende. Mal schauen wie viel davon umgesetzt wird, aber die nahe Zukunftsplanung ist realisiert, die ferne zwar vage aber ich bleibe optimistisch.
Nächste Woche geht es los, wir beginnen ein neues altes Projekt. Und zwar werden wir Schulen sowas ähnliches wie einen Brunnen bauen, nur besser. Warum? Im Moment ist es so, dass die drei Schulen, über 10 km zu einem nahegelegen Teich, Sumpf oder sonstwas gehen müssen um Wasser zum putzen (das machen die Schüler hier nach dem Unterricht selbst), zum kochen und zum trinken zu holen. Nein, das macht kein angestellter, sondern dafür werden immer Schüler der Reihe nach ausgewählt die den Lernstoff dann verpassen. Ich bin selbst die 10 km hin und zurück gelaufen, aber ohne zwei 25 Liter Kanister, es geht über Stock und Stein, meist überwindet man mehrere Höhenmeter und ihr könnt mir glauben, dass ist anstrengend und zeitaufwendig.
Daher halte ich das Projekt für sinnvoll, demnächst gibt es direkt neben der Schule einen „Brunnen“, der das Grundwasser hochpumpt, dass spart Zeit und das Wasser hat eine wesentlich bessere Qualität. Da meist keine Zeit zum abkochen bzw. es zu teuer vom Brennstoff her ist, finde ich es sogar nötig um Krankheiten zu vermeiden.
Über die fernere Zukunft berichte ich dann sobald sie eingetreten ist.
Doch nicht nur die Arbeit macht einen Menschen glücklich.
Heute habe ich mein erstes Fußball-Spiel für Buwama United absolviert!
In der zweiten Halbzeit als rechter Mittelfeldspieler. Großartig, dieses Gefühl auf dem Feld zu stehen habe ich doch irgendwie vermisst. Zur Halbzeit führten wir bereits 3:0 von daher war die Kiste eigentlich eh gelaufen. Doch wurde es nochmal spannend, als ein Gegenspieler aus 40m, eigentlich wollte er flanken, durch eine Aufsetzer den Torwart überlistete. Klarer Torwartfehler, doch was ich hier echt gut finde, niemand meckert, mault oder schreit blöde Bemerkungen über den Platz. Auch ich hatte 2-3 Fehler, einen schwerwiegenderen, dennoch hat mich keiner dumm angemacht. Zumal ich ansonsten ein gutes Spiel gemacht habe. Zweimal gelang es mir unseren Mittelstürmer alleine vor dem Tor freizuspielen. Beide male verwehrte er mir den „Assist“, doch bedankte er sich so überschwänglich für die tollen Pässe, dass das für mich gar kein Problem war.
Nach zwei weiteren gelben und einer Gelb-Roten Karte war das Spiel dann durch.
Nach dem Spiel beglückwünschten mich alle für meine solide Leistung, sodass ich echt happy war. Inzwischen glaube ich bin ich drin in der Mannschaft. Auch der Coach war begeistert. Dennoch hoffe ich, dass er mich beim nächsten Spiel nicht von Anfang an spielen lässt. Nach dem heutigen Spiel suchte ich verzweifelt das Sauerstoffzelt...
Immerhin jetzt kann ich erschöpft schlafen gehen! Gute Nacht

Dienstag, 4. September 2012

Ugandische Verwaltungsarbeit

Heute muss ich euch von einem für mich mehr als verrücktem Tag berichten.
Aus Mangel an Arbeit, beschäftige ich mich mit meinen eigenen Projekten. Blöd gesagt ist ein Projekt Medi. Einer meiner Arbeitskollegen und inzwischen guter Kumpel. Er hat mit seinen circa 30 Jahren schon einiges erlebt, viel negatives dabei, seine Geschichte möchte ich aber nicht im Netz veröffentlichen.
Daher versuche ich ihm in seinem Privatleben unter die Arme zu greifen. So auch heute.
Wir sind heute nach Mpigi Town gefahren, dort steht das District-Office. Ich bin mitgefahren, weil Weiße angeblich dazu beitragen, dass Vorgänge schneller und besser bearbeitet werden.
Grund für den Besuch, Medi plant einen Hausbau, den muss man absegnen lassen. Zusätzlich dazu will er einen Reisepass beantragen. Um 9 Uhr gings los, nach 40 Minuten im Office angekommen.
Meeting mit der Chairperson wegen des Hausbaus. Kein Problem. Eine Stunde größtenteils privater Natur und Medi war mit Empfehlung an den Sachverständigen weitergeleitet und wird bearbeitet.
Weiter geht es im riesigen Haus zu Büro XY Nummer 1. Reisepass. Dort erfahren wir, dass Medi seine Anträge zweimal kopieren soll. Dann in Büro XY Nummer 2, einen Stempel auf allen abholen und dann wieder zu ihm. Alles klar Kopien gemacht, natürlich im einen Kilometer entfernten Copyshop, sowas bieten die gefühlten 300 Offices nicht an. Stempel nach circa 1h  Wartezeit auf allen Dokumenten, im Büro XY Nummer 1 um 13:25 Uhr erklärt man uns: "No Chance, Lunch Time till 2 o'clock" Ich werde schon ein wenig ungehalten, Medi beruhigt mich und wir gehen etwas essen. Punkt "2 o'clock" stehen wir auf der Matte, Büro abgeschlossen... Nach 15 min kommt der Sachbearbeitende und erklärt uns innerhalb einer (!) Minute, dass wir zum Police-Office müssen und den Antrag dort absegnen lassen. Er benötigt eine weitere Minute um die Blätter zu unterschreiben. Auf dem 5 km lagen Weg zum Police-Office rege ich mich lautstark über diesen *piep* auf. Medi bleibt noch gelassen. Im Police-Office angekommen tritt mich ein Pferd, die Dame erzählt uns, dass wir eine weitere Kopie brauchen. Ich resigniere. Copy-Shop und zurück. Die Dame schickt uns in ein anderes Büro, abgeschlossen. Wir runter zum Eingangsbereich und fragen den dortigen Polizisten ob er weiß wo sich der Besitzer des Büros befindet, er verneint genauso wie die Frage nach seiner Handynummer. Dann registriert er, dass ich zu Medi gehöre und fragt mich aus. Danach sagt er ohne ein Gefühl von Scham oder sonstwas, "Get me some Airtime for 2000 Schillings and I'll call him". Hinter ihm hängt ein Schild: Polizeiliche Auskünfte sind ein Recht, bezahlen sie nicht dafür (So die sinngemäße Übersetzung), darunter eine Nummer, falls sowas passiert. Ich bin kurz davor dort anzurufen, Medi hält mich ab. Gesagt getan. Nach 10 Minuten trifft der Besitzer ein, alles kein Problem nach weiteren 15 Minuten ist die Police-Geschichte erledigt. Der korrupte Bulle geht mir nicht aus dem Kopf ich überlege laut wie man ihn bestrafen könnte. Medi: "This is africa" Ich: "Sometimes africa sucks!"
Im Headoffice im Büro XY Nummer 1 angekommen werden wir vom Beamten, der die ganze Zeit privat telefoniert, in Büro XY Nummer 3 geschickt. Dort sollen wir nur einen Stempel und eine Unterschrift einholen, nach einer Stunde Wartezeit und einer Stunde diskutieren, kommen wir zurück ins Büro XY Nummer 1, der schickt uns nach überprüfen zum Büro XY Nummer 4. Mittlerweile ist es 17:30 Uhr, das Büro hat geschlossen. Zurück vorm Büro XY Nummer 1, der Beamte scheint auch abgehauen zu sein.
Der *****-Antrag ist fertig und muss nur noch abgegeben werden und alle ver****** sich?! Ich bin dem Siedepunkt nahe. Im Büro XY Nummer 2 nimmt man uns eine Kopie fürs Büro XY Nummer 4 ab und versichert sie morgen doch einzureichen. Endlich. Um 19 Uhr endlich zuhause angekommen.
Jetzt muss Medi in den kommenden Wochen nur noch nach Kampala ins International-Affairs-Office die Originale abgeben und warten.
Ich habe mich für diesen Trip entschuldigt, dass mach ich nicht nochmal mit ohne einem an die Gurgel zu springen.
Laut Medi hätte er ohne mich 3-4 Mal hintereinander hingemusst. Ich glaube ihm nicht. Bin nur noch genervt...

Samstag, 1. September 2012

Auf der Suche nach dem Alltag

Nachdem ich nun eine weitere Woche in Buwama verbracht habe, gewöhne ich mich langsam an die Bedingungen, an das Arbeitsverhältnis und übe mich in Geduld. Angeblich soll es ab dem 10 September Arbeit satt für mich geben.
Bis dahin suche ich nach meinem Tages- beziehungsweise Wochenablauf.
Die Woche lief eigentlich relativ strukturiert, morgens zwischen 8 und 10 Abfahrt zu den Frauengruppen und Schulen um zu überprüfen was diese aus der Unterstützung in Form von Kapital und Zement erreicht haben. Gegen 17 Uhr nach Hause kommen, kurz ausruhen und auf zum Training.
Danach Duschen und je nach Gemütslage in die Bar oder zuhause bleiben. Dieser Struktur wurde leider am Donnerstag ein Ende gesetzt. Durch einen für mich eigentlich typisch und leider beinahe auch schon alltäglichem Vorfall. Ich bin beim Training umgeknickt. Vermutlich mal wieder eine Bänderdehnung und die Kapsel ist ziemlich angeschwollen. Inzwischen geht es mir aber schon wieder gut, also keine Sorgen machen.
Doch hat so ein Ereignis leider Folgen. Am besagten Donnerstag passte alles zusammen, der Valuation-Chef hatte sehr gute Laune und wollte ausgehen und was trinken, er überredete mich mit dem Argument er bezahle alles. Da konnte ich nicht widerstehen, zumal ich eh frustriert war, weil ich eigentlich unbedingt beim Match, dass am Freitag stattgefunden hat mitspielen wollte.
Dennis, so heißt der Mann, war in Geberlaune und bestellte nach der ersten Runde im Dreierpack, den andern Valuation-Mitgliedern ging schon sehr schnell die Puste aus, sodass Dennis mich nötigte die ein oder andere weitere Dreierrunde mitzumachen. Ich möchte hier kurz anmerken, dass ich dennoch laut meinem Ermessen der nüchternste war (Ich konnte noch gerade laufen), dennoch fühlte ich mich leicht angeshakert. Sodass ich am Freitag nicht nur todesmüde war, sondern auch einen leichten Kater davontrug. Glücklicherweise ging es den andern noch schlechter als mir, sodass wir nur bis 14 Uhr arbeiteten. Ich war heilfroh.
Ich kam pünktlich zum Treffpunkt und eine weitere interessante Erfahrung durfte ich machen. Und zwar transportierte uns ein LKW, der im Normalfall für den Transport von zig Tonnen Matooke, zwei Dutzend Kühen oder sonstigen Gütern dient, zum Auswärtsspiel. Eine witzige Sache auf der offenen Ladefläche zwischen zig Eisenstreben mit circa 20 gut gelaunten jungen Männer zu stehen.
Auch wenn ich es nicht verstand weil sie Luganda sprachen, ich bin mir sehr sicher, dass sie so ziemlich jedem Mädchen auf dem Weg dahin anzügliche Bemerkungen hinterherriefen. Ein ausgelassene Fußballmannschaft halt. Am Platz angekommen, war ich ein wenig froh nicht spielen zu können, auf dem Acker hätte ich mir schlimmeres zuziehen können. Resultat des Spiels: Keine Tore, drei Verletzte auf unserer Seite und circa 200 ausgelassene Fans, die jede aber auch wirklich jede Aktion, ihrer Mannschaft feierte. Sogar das Umziehen nach dem Spiel, wird grundsätzlich draußen gemacht, geduscht wird wenn überhaupt zuhause.
Eine super Erfahrung! Mittwoch ist das nächste Spiel und ich werde spielen!

Heute (Samstag) versuchte ich mein Wochenende zu strukturieren, das erste Mal Klamotten waschen stand an. Sagen wir mal so, ich habe mich stets bemüht. Ich bin heilfroh, dass nur meine insektenartigen Mitbewohner ansehen konnte wie ich versuchte den roten Schmutz vom Fußballfeld aus meinen weißen Socken zu bekommen. Nach geraumer Zeit gab ich auf. Demnächst überlege ich mir zweimal welche Klamotten ich wie schmutzig mache...
Das Spülen geht mir inzwischen leicht von der Hand, sodass ich so langsam echt in den Trott komme. Ich werde noch Hausmann.
Dennoch kann ich es nicht erwarten endlich meine eigenen Räume zu bekommen, Decken sind zwar inzwischen eingebaut, aber der Wasseranschluss, die Toilette und die Dusche, sowie Fliesen sind noch nicht installiert/montiert. Step by Step sagt Abdu immer zu mir. Solange die Stufen mich näher zum Ziel bringen kann ich damit leben.
Die Blogeinträge sind übrigens im Alltag auch vorgesehen, meistens vorm Schlafengehen, als Resumée der letzten Tage;)

Mittwoch, 29. August 2012

Fußball

Nach meinem dritten Training fühle ich mich gewappnet einen Eintrag über meine momentane liebste Freizeitbeschöäftigung zu verfassen.
Angefangen beim Spielfeld, jeder Fußballer weiß die Größe des Feldes 5000 m²,(weil 50m breit, 100 m lang, ne Ruben, weißte Bescheid;)) aber nicht in Afrika, ich habs nicht abgemessen, aber ich schätze das Feld auf mindestens 120m Länge sowie knapp 60 m Breite. Ich glaube ich muss nicht sagen, dass es dadurch umso laufintensiver und anstrengender wird. Das beste kommt aber noch, hinter den Toren (keine Tornetze) sind Felder, heißt einmal geschossen ob drin oder nicht, den Ball kann man erstmal nachlaufen, weil es meist sogar noch abschüssig ist.
Noch mehr laufen...
Ich als langjähriger Fußballer also beim ersten Training optimistisch, ich sehe das Feld und denke "Ach du scheiße". Dacht ich mir übrigens noch öfters beim Training, später mehr.
Nach viel hin und her wird sich dann auf den Spielmodus geeinigt, entweder klassisch auf zwei Tore (sofern 22 Männer da sind) ansonsten eine abgespeckte Form bei der ein Stein, Bambusstumpf oder sonstwas als Kegel dient, der von der gegnerischen Mannschaft nicht umgeschossen werden sollte.
Nachdem der Spielmodus gewählt wurde gehts an die Teams, auch ein komplizierter Vorgang, wenn 22 Menschen gleichzeitig versuchen Teams zu erstellen. Irgendwann läuft dann einer mit dem Ball aufs gegnerische Tor/Stein/Bambusstumpf zu und es geht los. Dann zieht sich die eine Hälfte die T-Shirts aus, Leibchen brauch man nicht. Hier ist das zweite Mal der Punkt wo ich mir denke “Ach du scheiße”. Hier ein netter Gruß an unsere Pumper in Neuss, in Afrika zählt Klasse statt Masse, so definierte Six- und Eight-Packs hab ich noch nie gesehen. Mit meiner Wohlstandswampe (maximal 1-2 Kilo zuviel auf den Rippen) komme ich mir schon ein bisschen komisch vor. Aber ausgelacht wird hier niemand, im Gegenteil, ich bin eher ein Vorbild, nein nicht wegen der Wampe, wegen meiner Größe. Das dazu.
Ich als Verteidiger im Spiel, ein langer Ball, ich hab bestimmt 20 m Abstand vom heranrennenden Stürmer, gehe es also etwas langsamer beim hinterherlaufen des Balles an. Nach einer Sekunde denke ich...”Ach du scheiße” und versuch im Vollsprint noch vor dem Stürmer am Ball zu sein... Pustekuchen. Abdu (der Stürmer) 1, Leon 0. Nach einer halben Stunde gewöhne ich mich daran, dass alle schneller sind als ich und störe bei der Ballannahme oder lasse meine Mitverteidiger in die Laufduelle, das funktioniert gut. Nach einer Stunde denke ich mir “Ach du scheiße” wann ist endlich Schluss. Die Sonne steht noch einen Spalt über der Erde, bis die Sonne untergeht wird gespielt. Schon lange am Ende meiner Kräfte, konzentriere ich mich darauf nicht umzukippen und tatsächlich überstehe ich das Training. Übrigens 3:1 gewonnen wie mir mitgeteilt wurde.
Ich im Vollsprint, sofern das noch möglich ist, zu meiner Flasche. 1,5 liter Wasser weg. Die andern Männer schauen mich verdutzt an, ziehen sich um und gehen ohne einen Schluck zu trinken.
Ein letztes mal denke ich mir “Ach du Scheiße”, gehe nach Hause und falle totmüde ins Bett.

Ich entschuldige mich hiermit für meine Rüde-Sprache aber im angesicht des physischen Niedergangs vergisst man seine gute Erziehung, sorry Mama und Papa.